13. November 2019

Azubi, Erfinder und Europameister

Hallo, ich heiße Felix, bin 18 Jahre alt und habe gerade mein Abitur abgeschlossen. Jetzt mache ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei der Zurich Gruppe in Köln. Daneben bin ich auch viel mit Jugend forscht unterwegs.

Mit dem Hoverboard einmal schweben wie Marty Mcfly

Angefangen hat alles so: Nach einem gemeinsamen NWT-Schulprojekt hatten mein Freund Alex und ich beschlossen, uns bei Jugend forscht anzumelden. Wir waren beide vom Hoverboard aus dem Film „Zurück in die Zukunft II“ fasziniert und wollten dieses mit Magnetschwebetechnologie selber nachbauen. So recherchierten wir, was es in diesem Bereich schon gab, fanden jedoch fast nichts und entwickelten daher in völliger Eigenregie unser „MLV-Magnetically Levitated Vehicle“. Das Gefährt basiert auf vier rotierenden Scheiben, die auf einer darunterliegenden Metallplatte ein kräftiges, abstoßendes Magnetfeld erzeugen. So kann es ein beträchtliches Gewicht stemmen und lässt sich dank einzeln kippbarer Rotorscheiben als Magnetschwebezug kontrolliert vorwärts bewegen. 

Bundeswettbewerb Jugend Forscht 2019 in Chemnitz

Nach spannenden Siegen beim Regionalwettbewerb und Landeswettbewerb Baden-Württemberg stand dann im Mai 2019 das große Bundesfinale in Chemnitz an. Dort hatten wir viele aufregende Tage mit den anderen Jungforschern und der Jury, bis dann die Siegerehrung mit hochrangigen Vertretern aus der Wirtschaft und Politik folgte. Völlig überraschend erhielten wir den sensationellen Bundessieg im Fachgebiet Technik! Unser Traum wurde wirklich wahr. Und damit nicht genug – unser Projekt wurde mit zwei anderen Bundessiegern ausgewählt, Deutschland beim 31. European Union Contest for Young Scientists (EUCYS) in Sofia, Bulgarien zu vertreten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat diese Teilnahme mit ihrem Europapreis professionell unterstützt.

Sensationell, der Bundessieg im Fachgebiet Technik!

Jungforscher aller Länder beim EU Contest for Young Scientists

So hieß es für mich kurz nach dem Beginn meiner Ausbildung schon wieder meine Koffer für den EUCYS in Sofia zu packen, und Mitte September nach Bulgarien zu fliegen. An diesem europäischen Wettbewerb, der von der Europäischen Kommission veranstaltet wird, nahmen dieses Jahr 155 Jungforscher aus 39 Ländern mit insgesamt 100 Projekten teil.

Der erste Tag unserer deutschen Delegation, also uns fünf Teilnehmern und einem Betreuer, bestand aus der gemeinsamen Anreise von Berlin über Wien nach Sofia und nachmittags dann dem Aufbau unserer Stände. Schnell kamen wir in Kontakt mit diversen Jungforschern aus den anderen Ländern. Einige hatten zur Begrüßung kleine Spezialitäten aus ihren Ländern dabei. Das war wirklich interessant. Abends gab es dann ein großes „Welcome-Dinner“.

Am zweiten Tag des Wettbewerbs fanden dann die offizielle, feierliche Begrüßung und die erste Jury-Session statt. Dazwischen war aber auch noch ausreichend Zeit, sich die Projekte der anderen Jungforscher anzusehen und sich mit ihnen auszutauschen. Highlight des Tages war der Besuch von EU-Kommissarin für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Marija Gabriel an unserem Stand.

Der dritte Tag des EUCYS 2019 stand ganz im Zeichen der Jurybefragungen mit zwei Jury-Sessions für uns, die natürlich alle in englischer Sprache stattfanden. Das war aber kein Problem, auch die vorab eingereichten schriftlichen Ausarbeitungen mussten ja schon in Englisch eingereicht werden. Zwischen den Jury-Sessions hatten wir aber noch genügend Zeit, um unsere Mitstreiter zu treffen und auf gemütlichen Sitzsäcken zu entspannen.

Der vierte Tag stand wieder im Zeichen der Jury-Gespräche, die alle interessant und angenehm verliefen. Auch kamen immer mehr Besucher zu unserem Stand, denen wir ebenso gerne unser MLV vorgeführt haben. Die Juroren waren an ihren roten T-Shirts für jedermann gut erkennbar und jeder hatte ihnen Vorrang eingeräumt, so dass wir bei den Jury-Gesprächen auch nie gestört wurden. Über die Zeit hatten wir beginnende Freundschaften mit einigen der Teilnehmer aufgebaut, so dass schon ein wenig Wehmut aufkam, als alles langsam zu Ende ging und wir am letzten Abend vor der Preisverleihung noch ein abschließendes Foto mit Herrn Dr. Sven Baszio, dem geschäftsführenden Vorstand der Stiftung Jugend forscht e.V., und unserer deutschen Delegation machten.

Innovationskraft, die sich auszahlt: Europameister!

Am 17.09.2019 ging der EUCYS mit einem großen Finale zu Ende. Der Tag begann direkt mit der feierlichen Preisverleihung, der „Award Ceremony“ in der „Bulgarian Hall“ in Sofia. Nach den allgemeinen Reden von Politikern aus Bulgarien und von der EU Kommission erwarteten wir mit großer Spannung die Preisverleihung. Mein Freund und ich konnten unsere Chancen auf eine Auszeichnung überhaupt nicht einschätzen, da zum EUCYS nur maximal 3 Forschungsprojekte pro Land zugelassen sind, welche jeweils bei einem nationalen Wettbewerb gesiegt haben mussten, und daher das generelle Niveau aller Projekte sehr hoch war. Zudem sind die zu vergebenden Hauptpreise mit nur 4 dritten, 4 zweiten und 4 ersten Preisen nicht gerade zahlreich. Hinzu kommen noch einige Sonderpreise für spezielle Themenbereiche und zwei besondere Ehrenpreise.

Die feierliche Preisverleihung, der „Award Ceremony“ in der „Bulgarian Hall“ in Sofia

Nach ihrer Bedeutung wurden zuerst die Sonderpreise aufgerufen, dann die Hauptpreise. Nachdem wir bisher keinen Preis erhalten hatten, ging es zum Ende hin um alles oder nichts. Die Spannung war nicht zum Aushalten. Wir waren vollkommen überwältigt und konnten es kaum fassen, als unsere Namen dann schließlich aufgerufen wurden und wir einen der vier ersten Preise erhielten! Dass wir mit unserem Projekt den Europameistertitel erringen würden, hatten wir nie erwartet. Darüber hinaus erhielten wir sogar noch einen der beiden Ehrenpreise, und zwar die Einladung zum Anfang Dezember stattfindenden „Stockholm International Youth Science Seminar“, welches als besonderen Höhepunkt auch den Besuch der Nobelpreisverleihung 2019 am 10. Dezember 2019 umfasst.

Auf einen Besuch bei der Kanzlerin…

Am nächsten Tag hieß es dann von Sofia Abschied zu nehmen und wir machten uns wieder per Flugzeug auf den Weg über Wien nach Berlin, um beim Empfang der Jugend forscht Preisträger 2019 bei der Bundeskanzlerin dabei zu sein. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, im Bundeskanzleramt von Frau Merkel persönlich empfangen zu werden. Neben dem allgemeinen Foto gab es auch ein Foto mit den deutschen EUCYS Teilnehmern von Jugend forscht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Preisträgerinnen und Preisträgern des 54. Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ im Bundeskanzleramt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (4.v.l.) mit Teilnehmern des „EU Contest for Young Scientists“, im Bundeskanzleramt.

Doch damit nicht genug, meine Reise zum EUCYS und Berlin fand in Brüssel seinen Abschluss, als uns der EU Kommissar Carlos Moedas (EU Commissioner for Research, Science and Innovation) im Rahmen der European Research & Innovation Days zu unserem Europasieg und der Einladung nach Stockholm zum SIYSS gratulierte.

Der Abschluss einer wunderbaren Reise

Alles in allem waren das wirklich einmalige Erlebnisse, die kaum übertroffen werden können. Danke auch an dieser Stelle an meine Ausbildungsbetreuer, die es mir ermöglicht haben diese wunderbaren Trips während meiner frisch begonnenen Ausbildung bei Zurich zu unternehmen. 

[Gesamt:16    Durchschnitt: 4.6/5]

Felix Sewing

Dieser Artikel wurde von Felix Sewing geschrieben.

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