1. März 2017

Non Stop Mate

Eine Fahrt ins Ungewisse erwartet meinen Chef und mich, als wir uns an einem grauen Donnerstagvormittag im Februar vom Rheinland auf nach Frankfurt machen. Unsere Agenda für die anstehenden Tage: Der erste Hackthon für die PR-Branche. Ein Experiment und ein spannender Tapetenwechsel, denn für die nächsten 48 Stunden verlassen wir die Räumlichkeiten unserer Zurich ContentFabrik, um in die Frankfurter Jahrhunderthalle „einzuziehen“. Das Ziel: Echte Kommunikationsprobleme identifizieren und Lösungsansätze entwickelt. Wenn’s geht, sogar schon mit einem programmierten Prototypen. 

Die goldene Regel für jeden Hackathon: Ohne das richtige Schuhwerk keine Competition! 🙂

 

Klar, das Thema Hackathon an sich ist für uns nicht neu. Tatsächlich haben wir bei Zurich Versicherung selbst Ende letzten Jahres den ersten Hackathon für die Versicherungsbranche im Kölner Rhein-Energie-Stadion veranstaltet. Ein Hammer-Event, das uns Kommunikatoren dazu inspirierte, selber mal mitzuhacken. Was es aber bedeutet, als generischer Nicht-Coder selbst daran teilzunehmen, den Countdown immer im Rücken – davon hatten wir keinen blassen Schimmer. 

 

Ohne Strom nix los. Unser wichtigster Support für die nächsten 48 Stunden.

Pitchen… und du so?

Als wir dann pünktlich zum Kick-off des Hackathons in der Jahrhunderthalle in Hoechst eintreffen, ist eine kreative Aufbruchstimmung durchaus zu spüren, was an der kargen und alles andere als inspirierenden Location jedenfalls nicht liegt. Nein, es ist der Mix aus zahlreichen Kommunikationsprofis, Entwicklern und Designern. Eine Melange, die in dieser Zusammensetzung eher selten aufeinander trifft und auch kreative Spannung verspricht. Rund 100 Leute machen mit. Wow. Dann geht’s auch schon los, das Pitchen (Neudeutsch für: Präsentation halten um einen Auftrag zu bekommen) um Mitstreiter beginnt. Auch mein Chef, „der Bernd aus dem Rheinland“, wie er sich vorstellt, pitcht mit und präsentiert unsere Idee, die vorab auch schon im Fachmagazin PR Report vorgestellt wurde: Wir planen eine Softwarelösung, die Social Media-Trends frühzeitig erkennt und diese automatisch mit definierten Unternehmensexperten und ihren Statements verknüpft. So soll es möglich werden, Themen schnellstmöglichst zu identifizieren, mit passenden Zitaten und Zitatgebern zu besetzen und damit kontinuierlich in den sozialen Medien präsent zu sein. Ein Bot für’s ‚Grundrauschen‘ sozusagen.

Der #PRHack-Vierkampf: Mate, Kaffee, Cola, Mate

Und dann geht’s auch schon los, der Countdown läuft. Aus den zahlreichen Pitches haben sich schließlich 13 Teams gefunden und das kreative Konzipieren nimmt seinen Lauf. Auch unser Pitch kommt an. Und so findet sich ein Team aus fünf Kommunikations-Experten und zwei tatsächlichen Entwicklern. Wir freuen uns, denn diese sind hier besonders rar. Schon recht schnell wird klar, dass „unsere“ Entwickler ein Glücksgriff für die Idee waren. Sie haben bereits die technischen Grundbausteine für die Realisierung unserer PRHack-Idee sozusagen im Gepäck. Zunächst gilt es aber im Team die genauen Anforderungen an den Prototypen zu spezifizieren. Welchen Zweck genau sollte der Bot haben? Welche Daten sollten ihm dafür zur Verfügung stehen und – woher zum Teufel bekommen wir die? It´s all about Big Data. Das merken wir schon in einer sehr frühen Konzeptionsphase. Aber das agile Arbeiten im Team führt – ebenso wie die zahlreichen Süßigkeiten und der beflügelnde Mate-Softdrink – immer wieder schnell zu praktikablen Lösungen von Problemen, von denen wir Stunden zuvor nicht einmal ahnen konnten, dass wir sie haben werden.

Unser Team: die 7 von Team 8.

 

PRe-position. Läuft.

Mit Blick auf die bevorstehende Abschlusspräsentation beim #PRHack muss auch noch ein passender Produktname für unsere Idee gefunden werden. Unser Vorschlag „PRe-position“ findet im Team nach kurzer Diskussion Zustimmung, woraufhin auch sofort die Domain PRe-position.online gesichert wird. Und das, bevor wir mit all dem Testing und einer kurzen Marktanalyse durch sind. In der jedenfalls wird uns von Kommunikationschefs und Agenturen bereits bestätigt, dass die Idee den Nerv der Unternehmen treffen würde – ein PR Chef einer großen deutschen Automobilclubs sagt sogar zu, dass er das Produkt sofort kaufen würde. Dieses positive Feedback erzeugt bei uns den nötigen Rückenwind, den wir zeitweise brauchen, als wir nicht mehr wissen, warum wir überhaupt hier sind und an was zum Teufel wir da überhaupt werkeln.

 

Hoch konzentriert wird entwickelt.

 

Doch die Arbeit zahlt sich aus. Pünktlich zur Präsentation am Samstagnachmittag läuft unser Prototyp wie geschmiert und liefert eine wirklich nutzwertige Umsetzung unserer Idee. Gemäß der alten Alpia-Schokoladenwerbung hatten wir „jede Mark in die Schokolade und nicht in die Werbung gesteckt“. Vielleicht ein kleiner taktischer Fehler, da unsere Benutzeroberfläche zwar in Echtzeit funktioniert und perfekte Ergebnisse liefert, aber noch nicht so schick daherkam, wie die manch anderer Mitpräsentanten. In den Kategorien des ersten #PRHack ist uns mit PRe-position also leider keine Siegerurkunde vergönnt. Dennoch geht unser Team mit dem guten Gefühl von der Bühne, dass wir in 48 Stunden ein funktionierendes Tool realisiert haben, das vor allem den PR-Alltag in Unternehmen wirklich erleichtern kann. Ohne Chi-Chi – dafür aber mit höchster Nutzwertorientierung für Unternehmen und einfacher Realisierung. Vielleicht sollte der Veranstalter bei einer Wiederholung des #PRHack auch ein größeres Augenmerk darauf legen, dass er für Entwickler interessanter wird und die technischen Ideen und Umsetzungen in den Teams besser zur Geltung kommen. Ein Unternehmensvertreter in der Jury wäre zum Beispiel wünschenswert. Denn der Fokus des ganzen #PRHack lag doch spürbar auf der Agenturperspektive. Für Vertreter großer Unternehmen und für Entwickler war der erste #PRHack am Ende vielleicht noch nicht das ideale Format. Spaß gemacht hat es aber in jedem Fall. Nach 48 Stunden blicken wir aus kleinen Augen nicht nur auf literweise geleerte Mate-Flaschen, mehrere Quadratmeter beschriebene Flip-Charts und geräuberte Fruchtgummi-Schalen zurück – wir haben auch ein tolles Produkt entwickelt und quasi by the way nette neue Leute kennen gelernt.

 

Geschafft! 48 Stunden Hackathon gehen zu Ende. Wir sind echt kaputt.

 

 

 

 

Warum wir dabei waren: Kurzinterview mit Bernd Engelien

[Gesamt:17    Durchschnitt: 4.9/5]

Sandra Liedtke

Dieser Artikel wurde von Sandra Liedtke geschrieben.

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  1. Ein sehr spannender Beitrag! Herzlichen Glückwunsch zum neuen Tool…klingt jedenfalls nach einem schönen und sinnvollen Ergebnis. Und auf den Inhalt kommt es idealerweise im wahren Berufsleben am Ende auch an (und nicht auf die Chi-Chi-Werbung). 🙂 Daumen hoch für Team 8!

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