18. Oktober 2016

Trennung auf Zeit: Winterschlaf für mein Coupé

zblog-trennung-youngtimer_1610-1Wenn zwei sich auf Zeit trennen, dann ist es meist ein letzter Versuch, die Beziehung zu kitten – sich klar über die Gefühle zu werden. Bei uns hat es glücklicherweise nichts mit den Gefühlen zu tun. Nein, die sind geklärt. Es sind rein sachliche Gründe, warum ich mich, wie so viele Oldtimer-Besitzer, für die Zeit der Wintermonate von meinem Audi Coupé trenne. Der Herbst ist da und schon bald ist sie schon wieder vorbei – die schöne Zeit für Ausflüge oder die Teilnahme an Oldtimer-Veranstaltungen. Auch wenn jetzt tagsüber noch so schön der blaue Himmel strahlt, so werden die Tage immer schneller immer kürzer und kälter – und es ist mal wieder Zeit, dass ich mein Coupé auf den Winterschlaf vorbereite.

Mit `nem bisschen Wehmut über die vergangenen schönen Monate im Zeitreisemobil muss mein automobiler Schatz jetzt eingemottet werden. Viele Youngtimer-Fahrer nutzen ein Saison-Kennzeichen, dessen Monatszahlen, meist Ende Oktober, von sich aus den Abschied vorgeben. Mein Coupé ist zwar auch schon 35 Jahre alt und könnte mit einem ganzjährigen H-Kennzeichen fahren. Aber ich habe mich aus rein rechnerischen Erwägungen (noch) gegen ein H-Kennzeichen entschieden. Mal sehen, was die Politik zukünftig plant. Durch den Einsatz eines geregelten Katalysators, ist die Saison und auch die Versicherung einfach günstiger, als die ganzjährige H-Zulassung, die so mit ihren 191 EUR Einheitssteuer rund 60 EUR darüber liegt. Aber selbst mit dem H-Kennzeichen wäre so oder so im November Schluss. Die nasse, kalte und oft durch Streugut versalzene Jahreszeit raten dazu, einfach um Rostschäden vorzubeugen. Die, wie so oft vermutet wird, noch nicht verzinkte Karosse der Baureihe Typ 81, dankt es. Seit Kauf vor 23 Jahren sind keine Rostschäden entstanden.

Wellness für die Karosse

Was ist jetzt zu beachten, wenn ich mein Coupé nun einmotte? Da berichte ich aus meinen Erfahrungen, sicher machen es einige anders oder haben Tipps – mailen Sie mir!

zblog-trennung-youngtimer_1610-2Als erstes steht eine gründliche Reinigung innen und außen auf dem Plan. Zum einen ist es ein gutes Gefühl beim nächsten Saisonstart ein sauberes Auto hervorzuholen, aber an erster Stelle steht der Schutz des Lackes vor Kratzern, die beim Abdecken entstehen sowie Vogelkot, Harz und Insektendreck, die sich unschön in den Lack fressen können. Wichtig auch, den Bremsabrieb von den Felgen zu entfernen. Also sorgfältig runter damit. Ein einfach aufzusprühender Wachs schon direkt auf den noch nassen Lack, sorgt für entsprechenden Schutz, denn so hat der Schmutz weniger Halt – auch auf Felgen.

Ebenso innen sollten alle Schmutzreste entfernt werden. Schnell entstehen in der feuchten Jahreszeit üble Gerüche und organische Reste schimmeln auch schon einmal. Aus diesem Grund stelle ich immer einen kleinen Granulat-Raumentfeuchter auf eine Zeitung in den Fußraum. Er absorbiert zu viel Feuchte und lässt Schimmel nicht entstehen. Diese gibt es in fast allen Baumärkten und oft auch noch günstiger bei Discountern.

Technikcheck

Danach geht es an die Technik. Für diejenigen, die z.B. keine Hobbywerkstatt oder Halle haben, geht die letzte Reise an die Tankstelle. Für die meisten Fahrzeuge bis Ende der 80er, bei denen die Tanks noch aus Blech sind (hier hilft ein Blick unter das Fahrzeug und ein Klopfen für Klarheit), ist Volltanken ein Muss, um Rostschäden im Tank zu vermeiden. Ist er voll, verhindert der Treibstoff, dass Sauerstoff und Kondenswasser ihn innen angreifen können. Autos wie ein Golf II von 1983 oder eine C-Klasse von 1993 haben bereits einen Kunststofftank. Volltanken ist wesentlich einfacher als einen Tank auszubauen und zu entrosten und meist ist der Sprit auch im Herbst noch ein wenig billiger als im nächsten Frühjahr. Theoretisch könnte man vorsorglich einen Benzinstabilisator beimischen, aber bis zum nächsten Saisonstart bleibt der Inhalt ganz sicher stabil. Dies ist eher für längere Einlagerungszeiträume von mehreren Jahren notwendig.

zblog-trennung-youngtimer_1610-3Wo wir jetzt schon an der Tanke sind, erhöhe ich den Reifendruck um ein halbes Bar, um Standplatten vorzubeugen. Früher habe ich auf Extra-Standräder gewechselt, habe aber festgestellt, vielleicht auch durch das recht geringe Gewicht des Coupés von 1100 kg, dass dies nicht unbedingt notwendig ist.
Neben dem Benzinstabilisator gibt es auch Motorinnenkonservierer. Er wird durch die Zündkerzenlöcher in die einzelnen Zylinder gesprüht und durch kurzes Durchdrehen an den Zylinderlaufflächen verteilt. Er verhindert Korrosion und verkleben der Kolbenringe. Meine Erfahrung: für die normale Saisonpause überflüssig. Ich nutze es, um Ersatzmotoren längerfristig zu konservieren.

Das Thema Motorölwechsel vor der nach der Saison wird auch heiß diskutiert. Wechseln vor dem Einmotten, um den im Öl enthaltenen Schadstoffen keine Möglichkeit zu geben, den Motor und Dichtungen anzugreifen. Oder doch lieber erst zum Start, um dann mit frischen Öl auf Tour zu gehen. Letzteres bevorzuge ich. Wichtiger ist hier sicher ein stets korrekter Ölstand.

Ist das Auto jetzt sauber und so vorbereitet, hab ich es auch schon fast geschafft. Ich nehme noch die Scheibenwischerblätter ab, damit sie sich nicht in der unbenutzten Zeit zur reinen Seite verfestigen. Dann kann mein Coupé in die Garage. Zu guter letzt wird die Batterie abgeklemmt. Das ist Pflicht, denn sie wird sich bis zum Frühjahr entladen. Ich baue die Batterie zudem aus, stelle sie zuhause in den Keller und schließe einen Erhaltungslader an. Dann ist diese fit, um mit voller Power in die neue Saison starten zu können.

zblog-trennung-youngtimer_1610-4Dann lege ich zuerst eine Lage einfache, weiße Baumwolltücher auf und darüber eine normale blaue Schutzhülle. Dabei fällt mir doch wieder unsere Werbekampagne ein ;-)). Ja, mein Coupé wird mir in der kommenden doch trüben Jahreszeit fehlen. Zu gern würde ich zwischendurch mal in der Sonne am Rhein entlang fahren. Aber erst wenn man etwas nicht mehr hat, erkennt man, was man daran hat und somit ist jeder neue Start in die Saison etwas ganz besonderes. Irgendwie wäre es fast langweilig, wenn ich immer fahren könnte – da fehlt der Reiz. Und somit kann eine Trennung auf Zeit und der damit
verbundene Verzicht doch neue Begierde wecken.

 

Winterpausen to-do-Liste

  • – Reinigung innen und außen
  • – Raumentfeuchter im Innenraum aufstellen
  • – Volltanken
  • – Reifendruck erhöhen
  • – Ölwechsel
  • – Scheibenwischerblätter demontieren/anheben
  • – Batterie ausbauen und an Erhaltungslader
  • – Abdecken
[Gesamt:8    Durchschnitt: 4.8/5]

Johannes van Hamme

Dieser Artikel wurde von Johannes van Hamme geschrieben.

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