26. Mai 2020

Chancen in der Welt nach COVID-19

 

Die erste globale Pandemie seit über 100 Jahren: COVID-19 hat sich über die ganze Welt verteilt – und das in einer beispiellosen Geschwindigkeit. Bis zum heutigen Tag wurden über 4,5 Millionen Fälle bestätigt und mehr als 300.000 Menschen sind an den Folgen der Corona-Infektion gestorben. In insgesamt 120 Ländern wurde ein Lockdown ausgerufen, mit dem Ziel die Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus einzudämmen und um zu verhindern, dass Gesundheitssysteme unter der Last kollabieren. Dies löste eine globale Wirtschaftskrise aus, die das gesellschaftliche Leben nun weltweit beeinflusst: 500 Millionen Menschen sind von Armut bedroht. Daten, die aus dem aktuellen Sonderbericht des Weltwirtschaftsforums mit dem Titel COVID-19 Risks Outlook: A Preliminary Mapping and Its Implications hervorgehen. Die Veröffentlichung wurde mit der Unterstützung des Global Risks Advisory Board des Weltwirtschaftsforums entwickelt und profitiert von der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit seinen strategischen Partnern Marsh & McLennan Companies und Zurich Insurance Company Ltd.

Die Partner argumentieren: Wir befinden uns in einer Gesundheitskrise, die ebenso eine Wirtschaftskrise ist und eng mit einer Energiekrise verbunden scheint. Durch die Krise wurden grundlegende Mängel in der Vorsorge, in den sozio-ökonomischen Sicherheitsnetzen und in der globalen Vernetzung aufgedeckt – eine Vielzahl an Herausforderungen, die in Summe bestehende geopolitische und wirtschaftlichen Risiken verschärfen.

Während sich Gesellschaft und Wirtschaft versucht zu erholen, werden einige der nachhaltigeren wirtschaftlichen, ökologischen, gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen und Chancen erst allmählich sichtbar. Es ist schon jetzt von entscheidender Bedeutung, die sich abzeichnenden Folgerisiken vorherzusehen und zu analysieren. Nur so können sich Gesellschaft und Wirtschaft rechtzeitig absichern. Zurich arbeitet bereits eng mit dem GDV Verband und dem Wirtschafts- und Finanzministerium an verschiedenen Lösungen. Als Beispiel haben die Bundesregierung, der GDV und die deutschen Warenkreditversicherer, so auch die Zurich Deutschland, gemeinsam einen umfangreichen Schutzschirm gespannt, um die Geschäftsbeziehungen der deutschen Wirtschaft in der Corona-Pandemie abzusichern.

Für Regierungen und Unternehmen ist es sehr schwer alle Auswirkungen gleichermaßen zu adressieren: beispielsweise Ängste vor Arbeitsplatzverlust, Herausforderungen in der lebensnotwendigen Versorgung und die Furcht vor sozialer Instabilität. In der Folge mussten dringend erforderliche Schutzmaßnahmen für die Gesundheit ganzer Bevölkerungen mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen ausbalanciert werden. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, bestimmen wie sich Risiken oder Chancen künftig entwickeln.

 

Der Weg aus der Krise: Ökologische Ziele mit nachhaltigem Wachstum verbinden

Der aktuelle Sonderbericht macht auch auf ein anderes, sehr wesentliches Problem bei der Bewältigung einer globalen Krise wie COVID-19 aufmerksam. Es besteht darin, andere existenzielle globale Risiken zu ignorieren. Es wäre fatal, wenn wir es nicht schaffen würden, die Fortentwicklung einer ökologisch geprägten Wirtschaft in die Krisenbewältigung zu integrieren.

Vor allem die Anpassung an den Klimawandel und dessen Eindämmung darf nicht verloren gehen. Wenn Länder aus der unmittelbaren Gesundheitskrise herauskommen und ihre Wirtschaft wieder in Schwung bringen, könnten es veränderte Arbeitspraktiken und die neue Haltung zu Reisen, Pendeln und Konsum leichter machen, eine kohlenstoffärmere und nachhaltigere Zukunft zu erreichen. Die Welt würde von einer nachhaltigeren Erholung profitieren.

 

Angst und Optimismus muss ausbalanciert werden

Es steht viel auf dem Spiel, nicht nur in Bezug auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen, sondern auch im Umgang mit der öffentlichen Risikowahrnehmung. Die Dauer und Intensivität der gegenwärtigen Wirtschaftskrise wird davon abhängen, ob die Krise im Gesundheitswesen mit einer Ausstiegsstrategie gelöst werden kann – hierzu braucht es die Kombination aus einem wirksamen und verfügbaren Impfstoff sowie therapeutischen Medikamenten.

Die Ängste, die wir empfinden, sind real und werden verstärkt durch die Botschaften und die Daten, die wir täglich über die Infektionsraten R0 lesen, und die traurige Realität der Todesfälle bei Covid-19.

Wir müssen jetzt verantwortungsvoll sein und Wege finden – vor allem in der Geschäftswelt – um der Gesellschaft zu ermöglichen, sich der Situation anzupassen. In solch einer drastischen und weitreichenden Krise werden wir alle lernen müssen damit umzugehen, dass mit öffentlicher Gesundheit auch immer das wirtschaftliche Wohlergehen einhergeht. Die Herausforderung besteht darin, zur „neuen Normalität“ zurückzukehren und die natürlichen Ängste mit der Akzeptanz von Unsicherheiten in Einklang zu bringen. Zurich unterstützt Unternehmenskunden mit ausgewiesenem Expertenwissen im Risk Engineering und Underwriting beim Aufbau eines zielgerichteten Risikomanagements im Umgang mit der neuen Risikolandschaft.

 

Viele der Risiken sind stark voneinander abhängig

Wir erleben ein historisches Ereignis, das viele Aspekte der Welt verändern wird: die Geopolitik, die wirtschaftliche Entwicklung vieler Industriesektoren und die wettbewerbsfähige Unternehmenslandschaft. Ebenso die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen, sowie eine Verschärfung der Ungleichheit, das Verbraucherverhalten, die Art der Arbeit und die Rolle der Technologie sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause.

Laut Weltwirtschaftsforum sind wirtschaftliche Risiken am wahrscheinlichsten, insbesondere das Risiko einer langanhaltenden Rezession der Weltwirtschaft. Diese wirtschaftlichen Risiken haben auch weitreichende ökologische, gesellschaftliche und technologische Auswirkungen und Verflechtungen: Eine Zunahme der Verschuldung, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, wird unweigerlich einige Unternehmen in den Bankrott treiben und die Wirksamkeit der derzeitigen Sozialschutzsysteme, ihre Finanzierung und die privaten Ersparnisse im Allgemeinen in Frage stellen. Als Versicherer sind wir uns sowohl der schwierigen Situation als auch unserer gemeinsamen Verantwortung bewusst, unsere Kunden bestmöglich durch diese Zeit zu begleiten. Für Privatkunden und kleinere Gewerbekunden haben wir bereits Zugeständnisse in Bezug auf Prämienstundungen gemacht und flexible Lösungen gefunden. Bei Industrieunternehmen stellen wir auf die individuelle Situation des Kunden ab und versuchen dabei so flexibel wie möglich zu sein und unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen.

Die Autoren des Sonderberichts befürchten, dass zusätzlich zu den Gefahren für die öffentliche Gesundheit, die Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen auch langfristige Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaften haben können. Eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit dürfte das Vertrauen der Verbraucher und die Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erholung beeinträchtigen sowie Ungleichheit, psychische Gesundheitsprobleme und den Mangel an gesellschaftlichem Zusammenhalt verschärfen. Die langfristigen Folgen werden wahrscheinlich auch das Wohlstandsgefälle zwischen Jung und Alt vergrößern und erhebliche Herausforderungen für Bildung und Beschäftigung mit sich bringen. In diesen disruptiven Zeiten ist sich Zurich der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. So unterstützt beispielsweise die von Zurich finanzierte, wohltätige Stiftung Z Zurich Foundation viele Aktionen: Insbesondere in aktueller Zeit sind Notfallfinanzierungen für Wohltätigkeitsorganisationen nötig, die ihrerseits einen Einbruch der Spendengelder verzeichnet haben.

 

Die Pandemie als Beschleuniger der Digitalisierung

Obwohl die Technologie bei der Art und Weise, wie Menschen, Unternehmen und Regierungen die COVID-19-Krise bewältigt haben, eine zentrale Rolle gespielt hat, stellt sie auch die Beziehung zwischen Technologie und Regierungsführung in Frage.

Neben dem grundsätzlichen Misstrauen steigt die Sorge vor einem Technologie-Missbrauch, der langanhaltende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben könnte.

Der Bericht hält fest: Durch die Krise ist die Entfernung zurück, die Grenzen sind zurückgekehrt, ebenso wie die lokalen Gemeinschaften. Die Technologie jedoch ermöglicht wieder eine Rückkehr in eine globalere Welt. Wir sehen Technologien, die eine kontaktfreie Wirtschaft ermöglichen, wie Telemedizin, Online-Einzelhandel und die Lieferung über soziale Distanz, wie Click and Collect. Neue Geschäfts- und Beschäftigungsmöglichkeiten werden in diesen Sektoren geschaffen. Die gesteigerte Abhängigkeit von der Technologie darf nicht unterschätzt werden. Denn sie bringt auch höhere Cyber-Risiken mit sich. Hier bietet Zurich Cyber Versicherungen zur Absicherung der finanziellen Folgen von Cyber-Attacken für Unternehmen an. Gemeinsam mit der Expertise unserer Partner unterstützen wir Unternehmen dabei ihre Cyber-Risiken aktiv zu minimieren und im eventuellen Schadenfall zu regulieren.

Die Krise gefährdet Leben und Lebensgrundlagen. Sie hat eine Wirtschaftskrise mit weitreichenden Auswirkungen ausgelöst und die Unzulänglichkeiten der Vergangenheit aufgedeckt. Führungspersönlichkeiten müssen nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen der Pandemie bewältigen, sondern auch miteinander und mit allen Bereichen der Gesellschaft zusammenarbeiten, um aufkommende bekannte Risiken anzugehen und die Widerstandsfähigkeit gegen noch unbekannte Risiken zu stärken.

Die Untersuchungsergebnisse legen aber auch offen: Die Krise gibt uns jetzt die einmalige Gelegenheit, Dinge anders zu tun. Das nimmt die Zurich Versicherung sehr ernst. Wir arbeiten gemeinsam mit strategischen Partnern, anderen Versicherern, Verbänden und den Bundesministerien an innovativen Lösungen für die Zukunft.

Es könnten eine „grüne Erholung“ und widerstandsfähigere, kohärentere, integrativere und gleichberechtigte Gesellschaften entstehen, wenn wir jetzt gemeinsam handeln.

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Petra Riga

Dieser Artikel wurde von Petra Riga geschrieben.

Head of Commercial Insurance der Zurich Gruppe Deutschland

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