19. Mai 2022

„Es ist eine Win-Win Situation, bei der niemand Kompromisse eingehen muss”

Das Thema soziale Verantwortung gewinnt in verschiedensten Bereichen immer mehr an Relevanz. Über soziale Projekte, ehrenamtliche Hilfe und durch Spenden tragen Unternehmen ihren Teil zu dem Gemeinwohl der Gesellschaft bei. Eine weitere Möglichkeit, sozial verantwortungsvoll zu handeln, ergibt sich durch die Einbindung von Social Enterprises in das Beschaffungswesen (engl. Procurement). Karin Gümmer, Leiterin des Bereiches Procurement & Mobility Management bei der Zurich Gruppe Deutschland, erklärt was „Social Procurement“ ist und wie es bei der Zurich bereits umgesetzt wird.

Karin, Social Procurement verspricht: Einkaufen und gleichzeitig Gutes tun. Wie kann das in Unternehmen gelingen?

Social Procurement bedeutet, dass Unternehmen ihre Kaufkraft einsetzen, um über den Wert der beschafften Waren oder Dienstleistungen hinaus sozialen Nutzen zu schaffen. Dafür werden gezielt Unternehmen beauftragt, die als Sinn und Zweck ihrer Geschäftstätigkeit ein gemeinnütziges Ziel festgelegt haben. Diese Unternehmen sind sogenannte Social Enterprises, für die es keine übergreifende Definition gibt. Generell müssen sie eine formelle und öffentlich Mission definiert haben und mindestens 50 Prozent ihres Profits daran in sozial nachhaltige Projekte reinvestieren. Anders als bei Non-Profit oder Spenden wird jedoch gleichzeitig sichergestellt, dass die Dienstleistungen oder bezogenen Waren auch den Anforderungen der Unternehmen und denen ihren Stakeholdern entsprechen. Es ist also eine Win-Win Situation, bei der niemand Kompromisse eingehen muss, weder preislich noch leistungsbezogen.

Welche Standards können garantieren, dass kein „Green- oder Socialwashing” betrieben wird? 

Charakterisierend bei Social Enterprises ist die positive gesellschaftliche Wirkung auf mindestens eines der von den Vereinten Nationen definierten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (engl.: Sustainable Development Goals, SDGs).
In Deutschland gibt es – im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern – noch keine staatlich adaptierte Definition von Social Entrepreneurship. Um dies zu ändern, hat SEND, das „Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland“, vorhandene Ansätze evaluiert und darauf aufbauend eine Definition erarbeitet und auch Forderungen an die Politik erstellt, welche die Förderung von Social Enterprises vorantreiben sollen. Wir freuen uns mit SEND, eine Kooperation zu führen. SEND bietet durch regelmäßige Pitch Events eine Schnittstelle zwischen Social Enterprises und großen Unternehmen, wie uns. Gleichzeitig dient das Netzwerk als Qualitätssicherung, weil wir wissen, dass Social Enterprises zuvor durch SEND anhand der erarbeiteten Kriterien geprüft werden.

Wieso ist Social Procurement für die Zurich Gruppe Deutschland wichtig?

Zurich hat sich zum Ziel gesetzt, eines der verantwortungsbewusstesten und wirkungsvollsten Unternehmen weltweit zu werden. Auf diese Ambition zahlt Social Procurement ein. Denn es werden durch Social Enterprises Reinvestitionen unserer Kaufkraft für soziale und nachhaltige Projekte getätigt. Dabei haben wir keine negativen Effekte, da man keinen Qualitätsverlust oder erhöhten Preis in Kauf nehmen muss. Im Gegenteil, aus unserer Erfahrung sind Social Enterprises agil und haben einen hohen Innovationsgrad. Ebenso bietet die nachhaltige Beschaffung Möglichkeiten für die Markendifferenzierung, denn sie ermutigt Unternehmen, innovativere und nachhaltigere Produkte zur entwickeln.

Mit welchen Social Enterprises kooperiert die Zurich Gruppe Deutschland bereits und was sind die Ziele für die Zukunft?

In unserem Einkauf im Facility-Bereich werden schon da wo es geht Fairtrade-Produkte gekauft und gezielt darauf geachtet, dass auf Produkte von Social Enterprises, wie auf Share Produkte, zurückgegriffen wird.
Außerdem haben wir ganz aktuell drei umfangreiche Projekte bei unserem Dienstleistungspartner Auticon in Auftrag gegeben. Auticon ist eine internationale IT-Beratung und das erste Unternehmen in Deutschland, das ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants beschäftigt. Die Erfahrung mit autistischen und nicht-autistischen Profis in gemischten Projektteams zu arbeiten, eröffnet völlig neue Perspektiven und verbessert die Arbeitsleistung deutlich. Wir gehen mittlerweile auch verstärkt in die Fachbereiche rein und schauen gezielt, wie wir neue Kooperationen mit Social Enterprises nutzen können, um die Dienstleistungen qualitativ weiter zu verbessern. Dabei hilft es uns, dass wir eine sehr offene Unternehmenskultur haben und neue Ideen und Projekte gern angenommen werden. Wir sind auf dem deutschen Markt aktuell einer der Vorreiter in diesem Bereich. Gerade mit unserer Kooperation mit SEND gehören wir da zu den Early Birds und hoffen, dass wir einen Teil zu der positiven Entwicklung im Bereich Social Procurement beitragen können. Wir planen fest damit unser Social Procurement Volumen zukünftig noch deutlich zu steigern.

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Karin Gümmer

Dieser Artikel wurde von Karin Gümmer geschrieben.

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