12. Dezember 2016

Geburtstagswanderung: Beim ARQUE-Lauf gemeinsam helfen

Es sind nun schon fast 15 Jahre her, als ich erstmals die komplette Strecke von 34,631 km zwischen Kelkheim und Mainz laufend mit anderen Gleichgesinnten während des ARQUE-Laufes bewältigte. Damals als Neuling durch eine Arbeits-und Laufkollegin bei der Zurich Gruppe Deutschland angestiftet, mit dem Ziel nach zweidrittel der Strecke die Schuhe auszuziehen und sich fahren zu lassen, zumindest war dies ein Angebot meiner Kollegin für mich, die mich u.a. veranlasste damals auf die Strecke zu gehen. Die sehr angenehme Atmosphäre während des Laufens in einer Gruppe mit führenden Pacemakern animierte mich dazu, schon beim ersten Versuch die komplette Strecke zu meistern. Auch in den Folgejahren, so oft es eben terminlich möglich war, an diesem Laufevent auf verschiedenen Streckenlängen teilzunehmen.

2015 habe ich die ARQUE-Lauf-Strecke bereits einmal probeweise wandernd erlaufen. Als frischgebackener Wander-, Natur-, und Landschaftsführer kam mir dabei die Idee diese Wanderung einmal gemeinsam mit anderen durchzuführen. Nun traf es sich gut, dass ich am Tag des diesjährigen Laufes am 13. November 2016 einen runden Geburtstag feiern durfte. Die Idee war geboren. Mit Michael Lederer dem Organisator des ARQUE-Laufes hatte ich sofort den entscheidenden Mann an meiner Seite. Michael zeichnet verantwortlich für den Sky-Run Frankfurt, ARQUE-Lauf run & bike und viele andere Events zur Unterstützung der ARQUE.

Die Idee zur Laufveranstaltung ARQUE Run entstand, als der Zweite Vorsitzende der ARQUE, Michael Lederer aus Kelkheim, am Silvestermorgen 1988 von Kelkheim zur Mainzer Universitätsklinik lief, um seinen mit einer angeborenen Querschnittlähmung zur Welt gekommenen Sohn Matthias zu besuchen.

Gegenseitige Hilfe

In der ARQUE haben sich seit 1979 etwa 600 Eltern querschnittgelähmter Kinder und Jugendlicher sowie Jugendliche und Erwachsene, die von einer Querschnittlähmung betroffen sind, zur gegenseitigen Hilfe zusammengeschlossen. Eine Organisation motivierter junger Eltern, die sich um Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer angeborenen Querschnittlähmung kümmern. Kümmern heißt dabei, sich den medizinischen, pflegerischen und sozialen Aufgaben zu stellen und insbesondere auch jungen Eltern Mut zu machen, wenn in der Familie ein Kind mit einer solchen Behinderung geboren wird – und dies passiert in Deutschland mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1.000.

Solch eine Gelegenheit, am Veranstaltungstag des ARQUE-Lauf gleichzeitig solch einen persönlichen Jahrestag zu feiern gibt es nicht oft, also gesagt und getan. Familie, Freunde und Bekannte versuchte ich zu animieren, mit mir gemeinsam einen halben Tag wandernd zu verbringen. Die zu zahlende Startgebühr sah ich als Spende an ARQUE und gleichzeitig als ein sinnvolles helfendes Geburtstagsgeschenk.

Einige Interessierte winkten aber gleich ab, als sie erfuhren, dass wir um 5:00 Uhr loswandern wollten. Was? Mitten in der Nacht, an einem Sonntag und dann 34 km, nein das sind wohl keine Eckdaten, mit denen man Mitwanderer gewinnen kann – doch halt, es gibt sie doch, die, die sich einmal so früh aus dem Bett schälen, sich eine Stirnlampe umbinden und bei sehr kühlen Temperaturen in die sternenklare Nacht hinauswandern. Die, die sich ihre Verpflegung mitnehmen und sich schon am Vortage sorge machen, was ziehe ich an. Welche Schuhe ziehe ich an, brauche ich eine Regenhose, ist die Fleecejacke zu warm, passt meine Hose vom letzten Jahr noch, und und und.

Wagemutig am frühen Morgen

Um 4:45 Uhr fanden sich ganze fünf  Wagemutige am Treffpunkt ein. Drei männliche Familienmitglieder (sorry die Damen) und zwei Freunde. Ich hätte gerne noch weitere Mitwanderer/-Innen begrüßt, aber was nicht ist kann ja irgendwann noch werden. Für uns war es ein früher Morgen, für andere eine späte Nacht. Ein paar Mitgliedern einer privaten leicht alkoholisierten Feiergruppe erkundigten sich bei uns, was uns denn so umtreibt so früh am Morgen hier mit Stirnlampen herumzustehen. Wir stellen fest, wir hatten ein Thema – runder Geburtstag. So gingen wir mit einem lautstarken „Happy Birthday to you“ auf die Strecke, nach dem ich meinen Geburtstagsgruß der nun ebenfalls Sechzigjährigen überbrachte.

Die ersten Meter mit Stirnlampe, dann mit Straßenbeleuchtung, dann wieder mit Stirnlampe eingetaucht in den finsteren Wald um die Anhöhe Gundelhard zu erklimmen. Leider hatte das gemütliche Waldrestaurant von 1910  noch nicht geöffnet, was uns aber um diese Uhrzeit auch nicht wunderte. Etwas wehmütig dachten wir an die Läufergruppen der ARQUE, die hier in unmittelbarer Nähe ab 09:30 Uhr vom Skiclub Kelkheim, nicht nur mit Jagertee bewirtet werden. Gut, nun war es an der Zeit über einen warmen Kaffee oder Tee nachzudenken. Kurz vor 7 Uhr tauchten wir in das verschlafene Hofheim ein und konnten schon den einen oder anderen Bäcker beim Sortieren seiner Brötchen beobachten. Erst in Weilbach Im Cafe Remsperger  setzten wir unsere Gedanken um warme Getränke um. Nett war die Überraschung, als ich von der Angestellten der Konditorei überraschenderweise ein paar Geburtstagsplätzchen überreicht bekam.

Kaffeepause
Kaffeepause

Über den Panoramaweg an der Flörsheimer Warte vorbei zog sich unsere Weg immer tiefer hinab in das Maintal.

Bei Kilometer 20 in der der Näher der St. Anna Kapelle

Kurz vor dem offiziellen Verpflegungsstand Hochheim mussten wir notgedrungen eine Sektpause einlegen, da wir sonst viel zu früh auf unsere weiteren Mitwanderer gestossen wären. 

Sektpause unter Männern. :-)
Sektpause unter Männern. 🙂

Nach Stärkung mit Bananen und warmen Tee in Hochheim (nach dem Sekt … na ja) schlossen sich unserer Wandergruppe noch meine Frau, meine Tochter nebst Freund für die Schlussetappe von 8,8 km an.

Ach ja, ich habe vergessen zu erwähnen, dass man auch gerne bei Kilometer 12,5 (Hofh.-Marxheim Shell) in die dann noch 22,114 km lange Strecke hätte einsteigen können oder an der St. Anna Kapelle bei Kilometer 20,1 in die verbleibende 14,486 lange Strecke oder wie die Damen der Familie bei Kilometer 25,8 an der DLRG-Station in Hochheim auf die verbleibende Strecke von 8,814 Km einzusteigen.

Endsport

Gemeinsam gingen wir die letzten Kilometer an. Auf der Theodor-Heuss-Brücke wechselt man von Hessen nach Rheinland-Pfalz und traditionell haben auch wir die Hessenhymne „Erbarme – zu spät – die Hesse komme“ angestimmt, damit die Pfälzer vor der Invasion aus dem Nachbarland gewarnt wurden. Kurz nach halb eins erreichten wir gut gelaunt das Ziel auf dem Liebfrauenplatz am Mainzer Dom. Wir wurden von den bereits im Ziel befindlichen Laufgruppen mit einem Geburtstagsständchen empfangen. Welch ein schöner Tag für mich, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. Dank an Alle die daran beteiligt waren.

Die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz.
Die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz.

 

Damit die Spendensumme sich für ARQUE noch etwas erhöht, habe ich die ursprüngliche Idee eines gemeinsames Frühstücks mit meinen Arbeitskollegen verworfen und dafür eine Spendenbox aufgestellt. Jeder Gratulant konnte – musste aber nicht 😉 –  einen kleinen finanziellen Obolus in die bereitstehende Spendenbox einbringen. Für jeden Gratulanten spendierte ich noch zusätzlich 5 Euro, damit wir zusätzlich zu den Startgeldern somit noch 300 Euro an ARQUE überweisen konnten.

Peter Lill-Hendriks

Dieser Artikel wurde von Peter Lill-Hendriks geschrieben.

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