11. Oktober 2017

Köln Historic 2017 – ­­Eine Rallye, zwei Blickwinkel

Um es vorweg zu nehmen, die Organisation der Köln{Historic war sehr gut, das Wetter leider nicht. Toll war, dass die Streckenführung sehr aufwändig gestaltet wurde, zum Teil wurden extra Genehmigungen für Teilstrecken eingeholt.

Geplant war unsere Teilnahme nicht, ich hätte eigentlich Urlaub gehabt und mein Beifahrer Martin wusste noch gar nichts über das Event. Im Zurich Intranet las ich dann von der Möglichkeit, sich als Mitarbeiter zur Köln{Historic im Zurich Team bewerben zu können. Also kurz den Beifahrer akquiriert, beworben und zwei Tage später waren wir tatsächlich dabei.

Keiner von uns (Fahrer/Beifahrer/Oldtimer) hatte je eine Rallye mitgemacht. Da die Rallye über ca. 260 Kilometer angesetzt war, wurde als erste Maßnahme der Wagen für diese Fahrt extra gecheckt. Seit 1983 wartet der gleiche KFZ-Mechaniker den Jaguar XJ12 Vanden Plas in Familienbesitz und seitdem fahre ich ihn auch. Bis 2005 stand der Jaguar sogar in der Herold Garage, dann wurde er bis 2014 eingemottet und kann nach einer Generalüberholung und DEKRA Prüfung seit 2015 als Oldtimer gefahren werden.

Der Fahrer, der war ich, Sascha Schmidt-Horster, ein Neuling in der Rallye Szene.

Mein Beifahrer Dr. Martin Thelen ist ein langjähriger Freund, der aus einer Stammtischgründung während der Kindergartenzeit herrührt. Er selbst hat als Leiter der JCB Presse-Abteilung tagtäglich mit etwas ‚gröberen‘ Fahrzeugen zu tun und freute sich auf einen erlebnisreichen Tag mit einem englischen Oldtimer. Auch er war ein Neuling.

Wir kamen immer schnell in Kontakt mit anderen Teilnehmern und unterhielten uns angeregt über Oldtimer und das Weltgeschehen. Als Mitglied des Zurich Teams wurde ich viel zur aktuellen Situation der Versicherungsbranche, insbesondere der Zurich, gefragt. Die Öffentlichkeit nimmt also die Situation der Versicherer sehr interessiert wahr, auch bei Freizeit-Events.

Dr. Martin Thelen und Sascha Schmidt-Horster vor dem ehrwürdigen Jaguar XJ12 Vanden Plas am Kölner Tanzbrunnen.

Wie es jedem von uns ergangen ist, skizzieren wir gerne aus der Fahrer- und Beifahrer-Sicht:

Mein erstes mal als Rallye-Fahrer

Früher als geplant sind wir schon am Tanzbrunnen und nehmen uns die Zeit für den bereitgestellten Kaffee und die Brötchen. Um uns herum sind alle ins Roadbook vertieft, tippen auf ihren Taschenrechnern oder füttern ihre Apps mit den Übungen. Der Gedanke reift, das brauche ich wohl auch als Fahrer. Also hole ich das Roadbook und mein Beifahrer rechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit je Übung aus – in die gelegte Falle der Umrechnung von 1,15 Minuten als Zeitangabe fallen wir nicht ;-). Die Fahrangaben bis zur Mittagspause sind jetzt gesetzt, so kann ich meinen Kaffee noch genüsslich austrinken und den ersten Wagen beim Start zuschauen. Als #67 sind wir gegen 9:35 Uhr bei der Startflagge.

„Ich fahre, Du machst die Ansagen, der Beifahrer hat immer Recht“ so einfach scheint es in der vereinbarten Grundregel kurz nach dem Start. Nach kaum 10 Kilometern kommt die erste Challenge, zwar bekanntes Terrain, aber ungeübte Lesart des Roadbooks. Wir verpassen prompt die korrekte Autobahnausfahrt und reihen uns mit zehn Plätzen Verlust wieder auf der Rallyestrecke ein. Martins Ansagen sind noch nicht vollumfänglich Rallye-tauglich „Fahr dem noch was hinterher, der kennt den Weg“, bekomme ich zu hören – konkrete Ansagen zur Strecke haben Seltenheitscharakter. Wir lernen aber während der Fahrt auch immer besser dazu.

Meine Herausforderung besteht jetzt darin, Verkehrsregeln, Verkehrslage, Straßen- und Wetterbedingungen sowie Fahransagen gleichzeitig zu beachten. Gefordert bin ich zusätzlich auch bei irritierenden Ansagen: „Noch 1.000 km bis zum Stoppschild“ „ 1.000 km?“ „Ja“ „Wirklich 1.000 km ? ;-)“ „Ach nee, Meter :-D“. Man merkt, man kennt sich.

Bei den Prüfungen erweist sich die Fahrpraxis mit dem Auto als sehr hilfreich. Ob Go-Kart Bahn, kurvige Waldwege und notwendiges Beschleunigen oder Verzögern, die „Katze“ lässt sich gut manövrieren. Auf der Go-Kart Bahn habe ich aber einen Hänger. „Ich komme jetzt langsam auf die 40 km/h im Schnitt, ein bisschen eng hier, aber geht“ – „ Wieso 40 km/h? Knapp 30 km/h! Die letzte Übung war mit knapp 40 km/h“. Tja, mein Setup ist wohl verbesserungswürdig. So eine Rallye ist sicher eine gute Paartherapie, scherzen wir beide. Willkommen ist da die Mittagspause im Oktoberfestzelt, nach der wir dann den Reporter vom Zurich Filmteam mit Kamera im Wagen aufnehmen. Zusätzlich folgt noch ein Begleitfahrzeug. Für die erste Rallye also noch eine weitere Herausforderung für den Fahrer und Beifahrer: GoPro am Rückspiegel, 15 cm Kameralinse neben dem rechten Ohr und Fragen, Fragen, Fragen. Geantwortet und vorbei… eine Abbiegung verpasst. Wir landen mit den Korrekturversuchen in einem schmalen asphaltierten Waldweg (links Böschung, rechts Leitplanke) und dies zwingt mich in sieben Zügen zu wenden – und zwar so, dass das Begleitfahrzeug auch wenden kann. Frage den Kameramann nach einer Bohrmaschine. Ungläubig fragt er zurück „Was, eine Bohrmaschine?“ „Ja klar, ich muss gleich den Tacho zurückdrehen, so dass er wieder zu den Chinesenzeichen im Roadbook passt.“ Gelächter, der Gute-Laune-Bär ist noch da…  Das Video findet sich übrigens am Ende dieses Artikels.

Als wir dann aus eigener Kraft zur Prüfung finden, bitte ich meinen Beifahrer immer die Kilometer-Angabe zu den Chinesenzeichen mit durchzugeben. Ab da an wechseln wir in den echten Rallye-Modus. Meine Fragen und Antworten sind nun ausschließlich auf die korrekte Abarbeitung des Roadbooks konzentriert. Wir tauschen uns nun ständig aus und absolvieren lange Strecken souverän ohne Hänger. Zwar hatte ich mir das Fahren bei einer Oldtimer-Rallye etwas gemächlicher vorgestellt, jedoch macht dieser Rallye-Modus richtig Spaß. Wie im Flug vergeht die Rückfahrt, die Ankunft im Tanzbrunnen ist dann auch Rallye-like mit geschwenkter Zielflagge von der Zurich Kollegin. (Danke für’s High Five mitmachen 😉 Im Anschluss noch eine paar Fotos und abschließende Interviews für die Presse, dann kann ich endlich mit meinem Beifahrer auf den tollen Teamerfolg unserer ersten Rallye anstoßen. Stolz, Erleichterung und Freude vereinen sich.

Mein Fazit… diese Rallye fahre ich gerne ein weiteres Mal mit ihm!

Mein erstes mal als Rallye-Beifahrer

Letzten Samstag war es  soweit: Das Team Sascha und Martin nehmen an der Köln{Historic Rallye teil. Und wie es manchmal so ist, groß vorbereiten konnten wir uns nicht. Alles ist neu und aufregend, angefangen vom Aufstellen der Fahrzeuge bis hin zur Fahrerbesprechung. Hoffentlich bekommen wir alles mit und vergessen nichts.

Völlig blauäugig gehen wir also ans Werk und müssen sehr schnell erfahren, dass eine Rallye keine Kaffeefahrt ist – besonders sollte man die Angaben im Roadbook peinlichst genau lesen.

Gesagt getan, die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Schon kurz nach dem Start beginnt die erste Zeitprüfung. Wir hatten zwar vorher die Durchschnittsgeschwindigkeiten der einzelnen Wertungen ausgerechnet, uns fehlt aber zu dem Zeitpunkt jegliche Praxis, wie so etwas funktioniert. Wir fahren also in die erste Prüfung und bevor wir richtig geschnallt haben, was dort los ist, ist die Prüfung auch schon rum.

Na ja, es kommen ja noch mehr Prüfungen. Zum Glück sehen wir beide das Ganze sehr entspannt. Sascha und ich kennen uns schon sehr lange, aber in solchen Situationen zeigt sich wahre Freundschaft. Wir haben von Anfang an gesagt, für uns zählt das Olympische Prinzip, d.h. dabei sein ist alles, Hauptsache wir kommen am Ziel an – ohne Schaden und ohne Unfall.

So haben wir dann die Rallye auch fortgesetzt. Sascha hat beim Fahren versucht, meine mehr oder weniger konkreten Ansagen – so gut es geht – umzusetzen. Und wenn man als Neuling mal kapiert hat, wie das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer funktioniert – was Kilometerstand und chinesische Zeichen betrifft – dann ist eine Rallye ein wirklich gutes Kommunikationstraining. Welche Angaben sind für den Fahrer wichtig und welche Angaben brauche ich vom Fahrer, um dem Roadbook auch zu folgen? Und so kommen wir bis zur Mittagspause auch dann so langsam in Schwung. Jetzt haben wir den richtigen Flow – läuft!

Nach den Mittag nahmen wir das Zurich Film-Team im Wagen auf. Während der Fahrt Fragen zu beantworten, das Ganze ist für Fahrer und Beifahrer – man kann es sich schon fast denken – vielleicht ein wenig zu viel an Herausforderung für zwei „Greenhorns“ wie uns beide. Gesagt getan, der Super-GAU ist eingetreten: Noch während ich in die Kamera blinzele, nehme ich im Augenwinkel ein Hinweisschild war, kann es aber nicht richtig lesen. Hätten wir dort abbiegen müssen? Die Frage quält mich und mein Gewissen noch einige Kilometer weiter.

„Der Beifahrer ist der Kopf“, so heißt es immer in Rallye Kreisen. „Der Fahrer fährt nur nach Ansage“, ich muss als Beifahrer eine Entscheidung treffen, fragt sich nur welche? Zweifel plagen mich – aber das Schlimmste: Die Kamera läuft gnadenlos mit. Doch es hilft nichts, ich muss mich jetzt outen, ich habe die Abfahrt verpennt – und das vor laufender Kamera. Schlimmer geht’s nimmer.

Was uns aber ehrlich wurmt ist, dass wir mal wieder einige Minuten verloren haben. Ganz offensichtlich hat uns das Rallye-Fieber gepackt und wir wollen auf gar keinen Fall Letzter werden. Und als ich dem Kameramann sage „Das kannst du alles rausschneiden“, können wir uns vor Lachen kaum mehr halten.

Die Strecke hat uns wieder und wir setzen die Rallye fort – nun ohne Kamera, dafür aber mit voller Konzentration. So kommen wir immer besser in Fahrt. Dass das Wetter sich nicht von seiner besten Seite zeigt, spielt für uns eigentlich keine Rolle. Ich bin jetzt nur noch mit dem Roadbook und mit der Streckenführung beschäftigt.

Am Ende des Tages kommen wir glücklich und zufrieden am Tanzbrunnen an. Die Zieleinfahrt ist gigantisch, wir haben es endlich geschafft. Zuschauer jubeln uns zu, Fahnen werden geschwenkt. So fühlen sich Sieger. Alle Anstrengungen sind wie weggewischt. Wir sind die Sieger der Herzen – die Helden der Köln{Historic – das Gefühl ist unbeschreiblich. Spätestens als wir unsere Rallye-Ergebnisse bekommen und wir erfahren, dass wir besser abgeschnitten haben als wir je erwartet haben, kennt der Jubel keine Grenzen. Wir sind wir auf dem Rallye-Olymp angekommen. Wir sind ein Klasse-Team!

Und wenn jemand fragt, wie es nach der Rallye-Chaos-Fahrt um unsere Freundschaft steht, dann kann ich nur sagen: Eine Freundschaft muss das aushalten und unsere Freundschaft tut das – denn nächstes Jahr wollen wir wieder dabei sein!

 

 

[Gesamt:5    Durchschnitt: 4.8/5]
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Sascha Schmidt-Horster

Dieser Artikel wurde von Sascha Schmidt-Horster geschrieben.

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