8. März 2022

„Sei dein eigener Boss beim Thema Rente“

Zurich Bezirksdirektorin Elke Althammer aus Freilassing berät zum Thema Gender Pension Gap

Elke Althammer leitet seit 2002 eine Zurich Bezirksdirektion in Freilassing und hat sich hier auf die Themen Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit spezialisiert. Anlässlich des Weltfrauentags am 08. März spricht sie im Interview darüber, wie und wann sich Frauen im Alter absichern sollten.


Elke, seit 1997 berätst du Kunden zu den Themen Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit, seit 2002 leitest du eine Bezirksdirektion in Freilassing. Wie bist du Vorsorge-Expertin geworden?

Elke: Mein Vater hatte bereits eine Versicherungsagentur, damals noch bei Zurich Agrippina und dadurch habe ich schon von klein auf viele Einblicke in den Berufsalltag der Versicherungsvermittlung bekommen. Die selbstständige Tätigkeit hat mich angesprochen und dann bin ich über den Umweg über die Spedition letztlich zum Beruf der Versicherungskauffrau gekommen. Fünf Jahre später habe ich die Agentur meines Vaters übernommen.

Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?

Elke: Also erst einmal finde ich ihn abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere. Ich habe viel mit Menschen zu tun, berate sie, kann aber im Schadenfall auch direkt helfen, z.B., wenn ein Kunde nach einer Sportverletzung nicht arbeiten kann. Mir ist es wichtig, nicht nur Verträge abzuschließen und dadurch Geld zu verdienen, sondern auch im Ernstfall für den Kunden da zu sein und helfen zu können. Ein verlässlicher, langjähriger Partner für meine Kunden zu sein, ist mein Ziel. Außerdem macht es mir großen Spaß, meine Mitarbeiterinnen bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen, ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu leben. Als Mutter kenne ich selbst den Spagat zwischen Arbeit und Familie sehr gut und sorge deshalb dafür, dass meine Mitarbeitenden hier ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können.

Was ist deine Erfahrung bei der Beratung von Frauen in der Altersvorsorge?

Elke: Grundsätzlich denke ich, dass Frauen in der Beratung erst einmal nicht spezifisch anders als Männer ticken. Das Problem betrifft erst einmal alle Geschlechter. Noch nie ist jemand direkt auf mich zugekommen und hat gesagt: Ich möchte mich jetzt um meine Altersvorsorge kümmern. Ich sehe daher eine wichtige Aufgabe in meiner Beratung, auf die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge gerade vor dem Hintergrund der niedrigen staatlichen Renten und der steigenden Inflation aufmerksam zu machen. Nach den Beratungsgesprächen schließen Frauen und Männer in etwa gleich oft Verträge ab. Dann aber, wenn Paare in die Familienplanung gehen, fällt auf, dass oftmals die Altersvorsorge des Elternteils, der sich in den nächsten Jahren im Schwerpunkt um die Kindererziehung kümmert, gekappt wird. Zumeist ist das die Altersvorsorge der Frau.

Woran, denkst du, liegt das?

Elke: Ich denke, oftmals verdienen Männer immer noch durchschnittlich mehr Geld als Frauen, wodurch in den klassischen Familienmodellen aus finanziellen Gesichtspunkten der Mann zumeist weiter nach der Geburt des Kindes in Vollzeit arbeitet und sich auch gesamthaft um die finanziellen Finanzen kümmert. Zunächst scheint es rational Geld bei der privaten Altersvorsorge einzusparen, wenn ein Elternteil in den ersten Erziehungsjahren weniger arbeiten gehen kann. Familien sollten aber immer im Blick haben, dass die von der deutschen Rentenversicherung angerechneten Erziehungszeiten nicht ausreichen, um die u.a. dadurch entstandene Rentenlücke auszugleichen. Später erhält die Person, die viele Jahre sich hauptberuflich um die Kindererziehung gekümmert hat, also weniger Rente. Das ist ein Problem, vor dem man nicht seine Augen verschließen darf. Dass es auch anders geht, habe ich aber zum Glück auch schon in der Praxis erfahren. Kürzlich kam ein unverheiratetes Paar mit Kleinkind zu ihr und ließ sich beraten. Der Mann sagte hier klar: Da meine Lebensgefährtin aktuell nicht arbeitet, wird sie weniger Rente bekommen. Das gleichen wir durch einen privat abgeschlossenen Rentenvertrag aus. Und so ein Vorgehen würde ich mir bei jeder Familie wünschen, egal welcher Partner für die Erziehung beruflich kürzertritt.

Was ist dir bei deinem eigenen Beratungsansatz besonders wichtig?

Mir liegt es sehr am Herzen, dass meine Kundinnen und Kunden mit einem klaren Blick auf ihre Vermögens- und Versorgungssituation aus dem Beratungsgespräch gehen. Sie dort abzuholen, wo sie aktuell gerade in ihrer Lebenssituation sind. Um dies sicherzustellen, scheue ich mich nicht davor, auch unangenehme Fragen zu stellen und mehrfach nachzuhaken.

Was rätst du Frauen konkret?

Ich rate Frauen, Eigenverantwortung zu übernehmen und Selbstfürsorge auch beim Thema Rente zu betreiben, indem sie sich direkt nach ihrer Ausbildung mit der Altersvorsorge beschäftigen. Angst vor fondsgebundenen Verträgen kann ich Frauen sehr schnell nehmen. Es fällt auf, dass vor allem die jüngeren Frauen viel Wert auf Nachhaltigkeit legen und gerne ESG-Fonds wählen. Eine pauschale Aussage zur Höhe der Altersvorsorge kann ich nicht treffen. Aber schon kleinere Beträge helfen. Egal, was du tust, tu irgendwas. Gründet man eine Familie, sollten Frauen wie Männer das Thema Altersvorsorge auch zum Familienthema machen. Ich berate daher gerne am liebsten beide Partner gleichzeitig, damit diese sich gegenseitig z.B. im Ernstfall beim Tod eines Partners absichern können.

Woran erkennen Frauen ein gutes Beratungsgespräch, wenn sie zu einem Vermittler bzw. einer Vermittlerin kommen?

Es gibt grundsätzliche Anhaltspunkte, nach denen Kundinnen und Kunden insgesamt überprüfen können, ob sie individuell beraten werden. Sie erkennen es daran, dass sich der Berater oder die Beraterin viel Zeit nimmt, sich zunächst nach den ihren individuellen Bedürfnissen und Lebensentwürfen erkundigt und Alternativen aufzeigt. Dabei sollte anhand des Gehaltszettels und der Renteninformationen immer die aktuelle finanzielle Situation berücksichtigt und mögliche Rentenlücken analysiert werden. Daran merken Kundinnen und Kunden, dass sie nicht einfach irgendein Pauschalangebot gemacht bekommen.

Was müsste sich beim Thema Aufklärung zur Altersvorsorge noch systemisch deiner Meinung nach ändern?

Meiner Meinung nach kann die Beschäftigung mit der eigenen Rente nie zu früh genug sein. Natürlich sind meine Kolleginnen und ich darauf geschult, hier zu beraten. Sinnvoll wäre aber auch schon, wenn Schulen dieses Thema in den Sozialkunde- oder Wirtschaftsunterricht integrieren. Neben anderen Themen wie Steuererklärungen und Grundlagen im Vertragsrecht. Auch Eltern sollten hier schon frühzeitig die eigenen Kinder sensibilisieren.


Mehr zum Thema Gender Pension Gap hier.

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Sabrina Heldmann

Dieser Artikel wurde von Sabrina Heldmann geschrieben.

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  1. Wichtiges Thema und wenig präsent ist die Tatsache das ein Mann eben keine
    Altersversorgung ist!
    Deshalb treffendes Interview und klare Analyse !
    Bravo !!!

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