Über 30 Jahre Engagement beim THW – ein Bericht von Guido Masmeier

Über 30 Jahre Engagement beim THW – ein Bericht von Guido Masmeier

Der Ortsverband des THW-Eschweiler

Ich bin Guido Masmeier und arbeite bei Zurich im Immobilienbereich. Neben meiner Haupttätigkeit bin ich seit über 30 Jahren beim Technischen Hilfswerk (THW) als Helfer und seit dem 1. Januar 2021 sogar als Ortsbeauftragter beim THW Eschweiler tätig. Ich möchte einen Einblick in die Arbeit beim THW geben und berichten, weshalb ich mich seit mehr als drei Jahrzehnten ehrenamtlich betätige und warum Ehrenamt für mich persönlich aber insbesondere für die Gesellschaft so wichtig ist. Außerdem gebe ich anlässlich des anstehenden „Jahrestages“ der Flutkatastrophe einen Rückblick, wie wir als THW den Tag und die Nacht der Flut, sowie die Zeit danach erlebten

Als Ortsbeauftragter bin ich der Dienststellenleiter, der die Verantwortung für Personal, für Material, und dafür, dass die Leute unbeschadet aus dem Einsatz zurückkommen, trägt. Oberstes Ziel ist die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft. Im Einsatzfall bin ich erster Ansprechpartner für Gefahrenabwehrbehörden, wie beispielsweise Polizei und Feuerwehr, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Bei meinen Aufgaben werde ich natürlich durch unseren Einheitsführer und dem gesamten Team unterstützt, denn alleine kann keiner etwas ausrichten. Man kann sich auf jede Person im Team verlassen, das zeichnet uns aus. Denn vielleicht anders als in anderen Ortsverbänden, sind viele Helfer hier teilweise schon mehrere Jahrzehnte dabei. Das ist das, was es am Ende für mich so besonders macht.

Dieser Zusammenhalt in unserem Team in Kombination damit, dass man Menschen, die in Not sind, helfen kann, ist der Hauptgrund für mein Engagement beim THW. Es ist teilweise herausfordernd den Beruf mit einem Ehrenamt zu kombinieren, denn es nimmt viel Zeit in Anspruch und geht mit physischer und insbesondere auch psychischer Belastung einher. Wenn man aber sieht, was man am Ende eines Einsatzes geleistet hat, dann merkt man immer wieder, wieso man es tut, und geht mit einem unbeschreiblich guten Gefühl nachhause. Jedoch muss natürlich nicht jeder in diesem Umfang helfen. Gerade bei der Flut- und Hochwasserkatastrophe hat man eine Solidarität und einen Zusammenhalt in der Gesellschaft gespürt, der seines Gleichen sucht. Auch viele Zurich Mitarbeitende sind in die Katastrophenregionen gefahren. Solche Tageseinsätze sind ein toller Weg, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Ich bin dankbar dafür, dass wir mehrere Community Tage haben und uns so für die Gesellschaft einsetzen können und auch in der Arbeitszeit soziale Verantwortung übernehmen können. Denn ohne Ehrenamtler würde der Gesellschaft ein wichtiger Teil fehlen.

Die Flut- und Hochwasserkatastrophe jährt sich bald und nach wie vor gibt es in vielen betroffenen Ortschaften noch viel zu tun. Es geht von Renovierungen über Entkernungen bis hin zum kompletten Wiederaufbau. Für mich war die Katastrophe eine wahre Feuertaufe. Nachdem ich Anfang 2021 zum Ortsbeauftragten gewählt wurde und die Corona Pandemie uns lange in Atem gehalten hat, kam im Sommer als alles wieder zur Normalität überging diese Katastrophe aus dem Nix. Das Hochwasser hat uns genauso überrollt, wie alle anderen. Schließlich waren auch Helfer von uns persönlich betroffen und haben alles verloren. Es wurde der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ eingerichtet. Wir haben rund um die Uhr getagt. Am dritten Tag war ich das erste Mal kurz zu Hause, um die Wäsche zu wechseln. Das war eine absolute Ausnahmesituation und es ging um Dimensionen, die niemand zuvor erahnt hätte. Am schlimmsten war die Hilflosigkeit in der Nacht, als der Wasserpegel von Minute zu Minute anstieg. Wir mussten ein Hospital aufgeben und komplett evakuieren. Der Moment, in dem wir dies entschieden war grausig und es herrschte Totenstille, weil alle wussten, dass das die letzte Chance war diese Menschenleben zu retten und dennoch war es nicht ohne Risiko. Ab dem 15. Juli war es dann fast schon eine Erleichterung, als das Wasser zurückging. Dort wurde zwar erst das Ausmaß richtig deutlich, aber nun klang die Hilflosigkeit ab und wir konnten endlich anpacken und etwas an der Situation ändern. Mit vereinten Kräften von etlichen Hilfsorganisationen, freiwilligen Helfern aus der ganzen Region und darüber hinaus und den örtlichen Einsatzkräften konnten wir schnell einen guten Überblick über die Situation erlangen und den Menschen anfangen zu helfen. Trotzdem läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter, wenn ich an die ersten Tage nach dem Hochwasser denke. Ich freue mich jedoch, dass wir als THW inzwischen ganz anders und wesentlich positiver wahrgenommen werden. Auch das viele Menschen in der Zeit gemerkt haben, dass ehrenamtliche Hilfe ganz einfach sein kann und einem viel zurückgibt und das Gefühl der Solidarität und der Dankbarkeit ein ganz besonders ist, freut mich persönlich sehr.

Diesen Artikel bewerten
Gesamt: 10, Durchschnitt: 5
Beitrag von:
Guido Masmeier

Was ist Ihre Meinung zu diesem Artikel?

    Beitrag von:
    Guido Masmeier