11. April 2017

Mein Fazit vom World Business Dialogue: Die wichtigsten Ideen und Influencer in Kurzform

Neben meiner Kollegin Christina Linnepe hatte auch ich die Möglichkeit, beim World Business Dialogue dabei zu sein. Während Christina schon über die Atmosphäre bei der Konferenz und das Engagement der Zurich Versicherung im Bereich Employer Branding bloggte, möchte ich euch erzählen, welche Themen mich beim WBD besonders gefesselt haben und euch einige der neuesten Entwicklungen vorstellen:

Wow, was für eine Konferenz! Ich habe ja schon einiges mitgemacht, aber der World Business Dialogue (WBD) an der Uni Köln war inhaltlich die beste internationale Konferenz, die ich je besucht habe. Aber der Reihe nach: Fasziniert haben mich neben InsurTech vor allem die Themen Mobilität und Zukunftsvisionen/Weltraum. Die hochkarätigen Referenten der Podiumsdiskussion und der Spirit im Auditorium waren einfach mitreißend. Ich möchte euch die spannenden Inhalte des Konferenzprogramms kurz näher bringen, daher hier meine Stichpunkte zur Diskussion. Los geht es mit InsurTechs und Blockchain:

Referenten waren hier Christof Mascher, COO der Allianz SE, Florian Graillot von AXA Strategic Ventures aus Paris, Chris Kaye von Sherpa und Ismail Malik von Blockchain Labs aus London.

Versicherungen via Blockchain (smart contracts) werden noch in diesem Jahr Marktreife erlangen, zumindest im Londoner Versicherungsmarkt. Fokus wird hier großvolumiges Spezialgeschäft sein, also insbesondere über Lloyd‘s. Großes und unmittelbares Marktpotential hat Blockchain auch bei Mikroversicherungen in Schwellen- und Entwicklungsländern, zum Beispiel als Ernteausfallversicherung. Die Regulierung der Schäden erfolgt automatisch anhand von sogenannten „Oracles“ – externen Triggern wie beispielsweise gemessenen Erdbeben- oder Windstärken. Auch Kfz-Versicherungen könnten gut über eine Blockchain abgewickelt werden, da zum Beispiel Sensoren im Fahrzeug Schadenereignisse (und deren Intensität) melden können. Auch für Lebensversicherungen ist Blockchain denkbar, mehr Infos hier. Bei der Zurich Versicherung beschäftigen wir uns auch mit dem Thema Blockchain– zunächst mit dem Schwerpunkt Rückversicherung.

 

Ismail Malik von Blockchain Labs: Klare Ansage zum Thema Blockchain und Autonomous Agents

 

Die Allianz sieht die Geschäftsmodelle der InsurTechs anscheinend sehr gelassen, diesen Eindruck vermittelte jedenfalls Christof Mascher.

Florian Graillot von der AXA war da als Corporate Venture Capitalist naturgemäß mit deutlich mehr Herzblut bei der Sache. Sein Vortrag ließ spüren, wie tief die AXA in der InsurTech-Szene verdrahtet ist. Gut zehn Mitarbeiter an vier Standorten managen die aktuell rund 20 Beteiligungen (meist im Seed-Segment) und suchen bei einem Budgetrahmen von 250 Mio. Euro laufend nach neuen attraktiven Start-Ups.

 

Chris Kaye erläutert das Geschäftsmodell seines Start-ups Sherpa

Chris Kaye von Sherpa war der heimliche Star der Runde. Er bereitet mit seinem InsurTech den Eintritt in den britischen Markt im 3. Quartal vor. Mehrdad Piroozram, IT-Unternehmer und Seed-Investor (InsurTech.vc) sowie Geburtshelfer unseres Zurich Hackathons, bezeichnete Kaye’s Team als eines der besten zwei InsurTech-Teams weltweit (selbstredend ist InsurTech.vc ein Investor von Sherpa, mal sehen, ob Mehrdad Piroozram Recht behält). Kaye ließ sich nicht zu tief in die Karten schauen, was sein Geschäftsmodell angeht, allerdings verrät die Webseite, dass es um eine IT-gestützte, ganzheitliche und maßgeschneiderte Beratung und Optimierung des Versicherungsschutzes geht. Mehr Details erläutert Kaye in diesem Hintergrund-Interview.

Von allen Panelisten geteilt wurde die These, dass die eigentliche Gefahr für die etablierten Versicherer nicht von den Start-Ups an sich, sondern von Geschäftsmodellen Start-Ups inklusive der Rückversicherer ausgeht.

Als wesentliche disruptive Trends für die Branche wurden immer wieder die Themen Blockchain, Künstliche Intelligenz und Internet of Things genannt, jedoch stehen wir bei den drei Themen eher noch am Anfang einer längeren Entwicklungsreise.

Das war bei der Podiumsdiskussion zum Thema Mobilität schon ganz anders. Hier haben die drei Unternehmen Uber, Flixbus und door2door gezeigt, welch disruptives Potential ihre Geschäftsmodellen bereits entfaltet haben.

Maxim Norouhdi von door2door revolutioniert den Nahverkehr

Das Interessanteste für mich war hier das unbekannteste Unternehmen: Maxim Nohroudi von door2door stellte vor, wie er den ÖPNV in Großstädten (aber auch auf dem Land) verbessern will und wird. Door2door kombiniert dazu Verkehrsdaten aus verschiedenen Datentöpfen: aus Fahrzeugen (GPS-Daten), Ampeln (SIEMENS), öffentlichen Verkehrsplänen, Verkehrsüberwachung und Kundendaten (beispielsweise welche Verbindungen Kunden in der Deutsche Bahn- und ÖPNV-Apps suchen). Daraus lassen sich per „Mobility Analytics“ erstaunliche Erkenntnisse für die ÖPNV-Planung ziehen, so dass door2door aktuell viele Städte und Landkreise (auch im Ausland) berät.Aktuell geben zum Beispiel Landkreise in Deutschland im Durchschnitt 50 Mio. EUR im Jahr für den ÖPNV aus – meist ohne, dass die Bürger mit den Leistungen zufrieden wären. Denn häufig planen die Kommunen ihre ÖPNV-Netze am echten Bedarf vorbei. Das ursprüngliche Geschäftsmodell von door2door war jedoch ein anderes: die Überbrückung der „letzten Meile“ von der Haustür des Kunden zum ÖPNV, beziehungsweise von dort zu seinem Zielort. In Berlin betreibt das Unternehmen bereits sogenannte Allygator Shuttles, die per App bestellt werden und die Passagiere aktuell für nur 5 Cent pro Kilometer durch die Stadt befördern.                                                                                                                  

Auch Flixbus stellte sein Erfolgsmodell vor. Im Jahr 2013 mit drei Busunternehmern als Partner und vier Linien in Süddeutschland gestartet, hat sich das Unternehmen mit aktuell 100.000 täglichen Bus-Verbindungen zum drittgrößten Mobilitätsdienstleister in Deutschland entwickelt – nach der Deutschen Bahn und Lufthansa. In Köln und Bonn sind die Busse allerdings ein wenig aus dem Stadtbild verschwunden – beide Städte tun sich mit dem rasanten Wachstum von Flixbus schwer und haben die Haltestellen aus der Innenstadt verbannt.

Besonders faszinierend waren für mich die Vorträge von Christopher Peterka und Anders Indset zu Zukunftstrends und -visionen. 

Christopher Peterka baut derzeit einen „Thinktank“ (HUS.Institute) in Vaduz/Liechtenstein auf, der sich mit der Digitalisierung und den weiteren großen Herausforderungen der Menschheit beschäftigen wird. So lautete der Appell von Peterka an die teilnehmenden Studenten: „Let’s fix our collective spaceship earth and its life system services before we hand it to Alexa!“ Dazu sucht Peterka aktuell Interessierte und Unterstützer. Ich wusste bereits durch geschäftliche Kontakte, dass in Liechtenstein besonders frei und radikal über Lösungen für die großen Probleme unserer Gesellschaft nachgedacht wird. Das mag zunächst etwas merkwürdig klingen, wenn man an Liechtenstein denkt. Aber der tägliche Umgang vieler Liechtensteiner mit den Reichen der Welt und deren teilweise eingeschränkte Sicht sowie die Nähe zu Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Kleptokraten auf allen Erdteilen lässt offensichtlich besonders über Nachhaltigkeit nachdenken. Nun, warten wir ab, ob vom HUS.Institute und vom kleinen Liechtenstein aus eine nachhaltige Bewegung zur Rettung der Menschheit ausgeht – oder ob nicht doch einfach nur handfeste Wirtschaftsinteressen in einem zeitgemäßen Kleid präsentiert werden. Ich bin gespannt.

 

„Business Philosopher“ Anders Indset begeisterte das Publikum mit seinen Zukunftsthesen

Anders Indset war der „Rockstar“ der Konferenz. Er ist Norweger und geizte in seinem Vortrag nicht mit Wikinger-Reminiszenzen. Er bezeichnet sich als „Business Philosopher“ und ist als Unternehmer und Netzwerker vor allem am Standort Frankfurt aktiv. Er erläuterte die aus seiner Sicht wichtigsten großen und kleinen Trends, die die Welt in den nächsten Jahren verändern werden – unter anderem gefiel mir sein Bild von den „29-Jährigen Frauen, die künftig die Welt übernehmen“. Seine Botschaft an Studenten und Geschäftswelt lautete: „Trainiert eure Empathie und euer Vertrauen zu euren Mitbürgern! Dies wird nicht nur helfen, die Welt besser zu machen und nebenbei Basis für lukrative Geschäftsideen sein, sondern eine zentrale Quelle eures privaten Glücks in unserer sich immer schneller drehenden Welt.“

Mich hat die Konferenz sehr inspiriert und ich hoffe, mit dem einen oder anderen Referenten in Kontakt zu bleiben. Ich kann euch daher nur empfehlen, nach Möglichkeit auch an der Veranstaltung teilzunehmen, sei es als Student, als Teil des Zurich-Teams oder als Sponsor aus anderen Unternehmen. 

Dresscode „Multikulti“: Max Janzen und Martin Baier bei der One World Party zum Abschluss des World Business Dialogues

 

[Gesamt: 14   Durchschnitt:  4.6/5]

Martin Baier

Dieser Artikel wurde von Martin Baier geschrieben.

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