28. Februar 2018

Arbeit neu definieren: Agil und Scrum

Agil arbeiten – geht das überhaupt bei Zurich? Ich runzelte vorsichtig die Stirn, als meine Teamleiterin mich begeistert ansprach. Sie hatte mich für das neue agile Team für die Umsetzung von VSL-Themen (IT-Versicherungssysteme im Bereich Leben) vorgesehen. Hier würde ich mich, wie ansonsten auch, um die Komponente „Plausi- Management -System“ (PMS) kümmern – also die Plausibilitätsprüfung der neuen IT-Systeme. Allerdings wäre ich nun in ein großes Team eingebunden – mit Kollegen von Zurich und unseres Suppliers.

Nach drei Sekunden Zögern überwogen Neugierde und Abenteuergeist. Von agilem Arbeiten hatte ich zwar schon etwas in der Theorie gehört und einen Workshop besucht – doch was auf mich und uns alle genau zukommen würde, stand noch in den Sternen.

Es geht los!

Ich verließ das traute Büro mit meinen vertrauten Kollegen und zog aus, um mich in meiner neuen „Wohngemeinschaft“ niederzulassen. Mit einem Kick-Off begrüßten uns zwei Zurich Kollegen vom Kompetenzteam Agile & Design. Mit viel guter Laune holten sie auch die „Agil-Anfänger“ unter uns – wie mich – ab.  Sie würden uns die nächsten Monate als „Agile Coaches“ begleiten.

Schnell wurde mir klar, dass wir nicht nur Theorie erhalten und nach festem Schema danach arbeiten werden, sondern dass die agile Methodik nur ein Rahmenwerk bietet. So würden wir also gemeinsam unsere ganz eigenen Regeln aufstellen, nach denen wir arbeiten.

 

Lektion 1: Wir bestimmen gemeinsam, wie wir zusammenarbeiten möchten.

Erste Hürden überwinden

 

Der kahle Raum wirkte anfangs nicht sehr einladend. Nach und nach aber füllte sich unser neues Büro mit liebevoll gestalteten Plakaten, Boards und Zetteln. Pflanzen wurden aufgestellt und ein Tisch wurde vom Team ständig mit Süßigkeiten bestückt, was häufige High-Carb-Rauschzustände auslöste. Unsere Teamleiterinnen und Projektleiter fragten uns nach unseren Wünschen, den Raum angenehmer zu gestalten und kümmerten sich sehr darum. Bald war auch ein Name für unser Team gefunden: die Z-Sprinter!

Schwieriger war die technische Ausgestaltung, da etwa unser Supplier und Zurich unterschiedliche Notebooks nutzen und beispielsweise die Docking Stations nicht für alle passten. Auch das Arbeiten in einem großen Raum barg Nachteile, wenn die Lautstärke im Großraumbüro für manche unangenehm wurde. Wir sprachen über unsere Bedenken und suchten zusammen nach Lösungen.

 

 

Lektion 2: Ein gutes Arbeitsklima ist wichtig für zufriedene Mitarbeiter. Wir setzen uns dafür ein.

Aha, so läuft das also

Die neue räumliche Nähe zu den Kollegen, ganz besonders auch zu den Kollegen unseres Suppliers, veränderte den Blickwinkel. Zuvor hatte ich eine grobe Idee davon, was die Kollegen der anderen Komponenten machen. Von unserem Supplier wusste ich noch viel weniger. Durch das neben- und miteinander Arbeiten bekam ich schon bald ein besseres Gefühl für den Alltag meiner Kollegen und auch deren täglichen Herausforderungen.

Bei technischen Problemen konnten wir diese direkt zusammen anschauen und bestenfalls umgehend lösen; auch Abstimmungen untereinander erforderten keine endlos langen Mail- und Telefonketten mehr.

 

Lektion 3: Zusammen arbeiten heißt voneinander lernen. Einander verstehen heißt einander respektieren.

Herausforderungen…

Durch die wunderbare Arbeit der Agile Coaches, ihrer ansteckenden Freude bei der Arbeit und gemeinsam erlebten Herausforderungen wuchsen wir als Team zusammen. Die agilen Rituale wie „Daily Standups“, „Sprint Reviews“, „Retrospektiven“ und mehr wurden mir zum neuen Alltag; selbst auf den vielen Boards und Zetteln fand ich mich nun schnell zurecht. Unser Team funktionierte – und wir erzielten messbare Erfolge.

Dennoch stellte sich Unsicherheit ein, als wir auf den Testzeitraum zusteuerten. Trotz einer gewissen Autarkie waren wir keine losgelöste Raumkapsel, sondern steckten weiterhin im festen Gefüge von Meilensteinen, Reportings und Abläufen der „Welt“ außerhalb. Wir veränderten daraufhin einige Boards und Abläufe, um uns an die Gegebenheiten anzupassen. Eine Lösung war auch gefragt, wenn Kollegen nicht hundertprozentig für das agile Team arbeiten konnten, sondern parallel nicht-agile Aufgaben zu bearbeiten hatten. Ein flaues Gefühl blieb bei mir – ist das wirklich noch agiles Arbeiten? Und beraubten wir uns nicht selbst so mancher Vorteile dieser Arbeitsweise?

In einem Seminar zum Thema Agiles Requirements Engineering in Hamburg – zusammen mit meinem Kollegen Steffen – wurde mir klar, dass dieses Gefühl mich nicht trog. Ebenso lernten wir durch Gespräche mit anderen Seminarteilnehmern, dass wirklich jeder (!) mit der gleichen Herausforderung konfrontiert war: Wie arbeitet man agil in einem nicht-agilen Kontext? Da jede Firma anders tickt, gibt es keine einfache Standardlösung. Uns wurde klar, dass wir bei Zurich unseren eigenen Weg finden müssen…und dass dies Zeit braucht.

 

 

Lektion 4: Es ist nicht alles so leicht wie es aussieht. Aber wir arbeiten dran!

Immer weiter, immer besser

Die letzten Tests waren abgeschlossen – und meine Zeit im agilen Team vorbei. Im nächsten Release würde ich mich dann wieder um nicht-agile Themen kümmern. Einerseits war ich traurig, meinen lieb gewonnen Platz im Team verlassen zu müssen. Andererseits hatte ich Heimweh nach meinem eigenen Team und meinen PMS-Kollegen. Doch blieb ich dem agilen Team weiterhin verbunden. Ich hörte, dass das Team vieles weiter optimiert und sich damit noch weiter verbessert hatte.

Mich freut, dass wir bei Zurich agil arbeiten und ich bin gespannt, welche neuen Erfahrungen gewonnen und welche Erfolge erzielt werden!

[Gesamt:26    Durchschnitt: 4.6/5]

Birgit Kleber

Dieser Artikel wurde von Birgit Kleber geschrieben.

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  1. Super geschribeen 🙂 Ich finde es klasse, wie du sowohl die positiven Aspekte als auch die (teils überwundenen und teil bestehenden) Herausforderungen aufzeigst!

  2. Danke für deinen gut formulierten Bericht. Ein Punkt treibt mich immer wieder um: Geht agil nur 100%? Wir haben ein verteiltes Wissen über die Details unserer Systeme. Wissen, dass sich nicht in andere Köpfe kopieren lässt. Und wir haben eine steigende Anzahl an berechtigten Anforderungen. Mir scheint es sehr sinnvoll, diese nach Möglichkeit zu bedienen. Wir müssen nicht alles auf einmal umsetzen. Doch wir müssen anschauen, welche Weiterentwicklungen sinnvoll sind, müssen frühzeitig neue regulatorische Anforderungen verstehen und müssen „digitalisieren“. Die Konzentration auf genau eine Aufgabe steht dem entgegen.

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