29. April 2022

„Nur gemeinsam haben wir die Kraft, etwas zu bewirken“

Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland, liegt das Thema Klimaschutz sehr am Herzen und hat nun eine Weiterbildung zum ESG-Berater gemacht. Was es damit genau auf sich hat, erzählt er im Interview.

Björn, du hast in den vergangenen sechs Monaten eine Weiterbildung als ESG-Berater bei der Greensurance-Stiftung absolviert, die du nun erfolgreich abgeschlossen hast. Um was ging es genau bei dieser Weiterbildung und was hat dich motiviert, hier mitzumachen?

Björn: Die Schulung war ziemlich vielseitig. Grundsätzlich wurde Wissen zu vielen Sachzusammenhängen im Bereich Klimaschutz vermittelt, angefangene beim Klima selbst, Klimawandel und seinen Folgen, Beschlüsse der verschiedenen Klimakonferenzen, CO2 Zertifikatehandel bis hin zu Sustainable Finance. Außerdem wurden wir – in der Gruppe waren auch viele Vermittler – darin geschult, wie man Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Kunden weckt und entsprechend orientierte Kunden berät. Dies kann beispielsweise bei Sach-, und Hausratsschäden die Einbindung von Energieberatern sein oder die Möglichkeit, eine klimafreundlichere Alternative zu erhalten, statt nur Ersatz für den Sachverlust. Für mich persönlich war die Weiterbildung wichtig, da ich mein eigenes Klimaschutz-Wissen erweitern wollte, auch um zu verstehen, wie wir als Unternehmen noch mehr helfen können. Und hier gibt das Seminar wirklich einen tiefgreifenden Überblick. Quasi einmal quer durch das Gemüsebeet. Ich finde: Man muss es einmal wirklich verstanden haben, und das geht nur mit einer tiefen fachlichen Auseinandersetzung.

Wie kam der Kontakt zur Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt eigentlich zustande?

Björn: Das ging über Marcus Reichenberg, der eine Zurich Agentur hat und Greensurance mit dem Zweck gegründet hatte, die Versicherungsbranche für das Thema Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren und somit über Versicherungsberatungen einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Aber auch der Schutz von Mooren gehört zu den Stiftungszwecken. Durch Spendengelder an die Stiftung hatte Zurich ermöglicht, dass Greensurance nun ein Hochmoor in Süddeutschland renaturieren kann. Geologen und andere Naturwissenschaftler sorgen in einem langjährigen Projekt dafür, dass angegriffene Moorflächen wieder vernässt und intakt gehalten werden. Das ist ein sehr wichtiges Thema, weil Moore über Jahrmillionen gewaltige CO2 Mengen gespeichert haben, die sie bei Trockenlegung aber wieder freisetzen.

Sechs Monate Schulung liegen hinter dir. Wie darf man sich das vorstellen, musstest du Hausaufgaben machen? Und gab es da auch die eine oder andere Herausforderung, die du bewältigen musstest?

Björn: Geschenkt bekamen wir das Abschlusszertifikat nicht, das war schon ein ordentliches Lernskript (zeigt dicken Leitzordner), das man wirklich bis zum Ende durchgearbeitet haben muss. Sonst rasselt man definitiv durch die Abschlussprüfung. Inhaltlich gingen wir dem Thema Klimaschutz ziemlich auf den Grund. Dazu gab es regelmäßige Webinare, Hausaufgaben, eine Hausarbeit und dann eine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung. Gerade die schriftliche Prüfung fand ich schon ziemlich herausfordernd. Das waren Multiple-Choice-Aufgaben, bei denen man sehr genau schauen musste, worin sich die Antwortvorschläge unterscheiden. Dabei lief die Zeit, dass es nur so ratterte. Die mündliche Prüfung habe ich dann Anfang April 2022 noch einmal zu dem Thema meiner Hausarbeit gehabt, bei der es um die gesetzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen für Versicherungen und Fonds geht und darum, wie man nachhaltige Investments bewerten kann.

Gibt es etwas, was dir besonderen Spaß gemacht hat?

Mir hat es großen Spaß gemacht, mich mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und gemeinsam über Ansätze zu diskutieren.Wir hatten viele Debatten, wo wir uns auch wirklich mit den gesetzlichen Tiefen und Wortlauten der Sustainable Finance-Regelungen beschäftigt haben. Die Weiterbildung hat mir hier noch einmal eine bessere Übersicht zur Gesetzeslage gegeben. Grundsätzlich fand ich es auch toll, mehr über die Sachzusammenhänge des Klimawandels zu erfahren. Gleichzeitig ist es aber auch so: Je mehr man sich mit dem Klimawandel beschäftigt, umso frustrierender ist es natürlich erst einmal. Eine einfache Lösung gibt es nicht und auch keine regionale. Das hat mir die Schulung noch einmal veranschaulicht. Umso wichtiger ist es auch weiterhin im Verhältnis Kunde-Versicherer und als Investor mit Unternehmen aus Branchen zusammenzuarbeiten, die aktuell noch CO2-intensiv sind. Wir müssen genau diese Unternehmen mitnehmen und bei ihrem Wandel begleiten. Es geht nicht darum, wer als Erster im Ziel ist, sondern wann der Letzte im Ziel ankommt. Nur gemeinsam haben wir die Kraft, etwas zu bewirken.

Was nimmst du aus den Schulungswochen mit?

Björn: Auf jeden Fall viele Tipps und Anregungen für die Beratungspraxis. Ab dem 02. August greift die neue EU-Transparenzverordnung nach der Versicherungsvermittler verpflichtet sind, Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. Der Weiterbildungskurs zeigt hier ganz deutlich, welche offenen Fragen es seitens der Vermittler. Es wird noch eine große Herausforderung, diesen Prozess für Kunden und Vermittler verständlich aufzubereiten und dabei einen Mehrwert in der Beratung zu liefern. Hier habe ich direkt Ideen für unsere eigenen Inhouse-Schulungen mitgenommen. Darüber hinaus war es klares Ziel der Ausbildung, dass die Teilnehmer selbst als Klimabotschafter aktiv werden und beim eignen Lebenswandel anzufangen. Und auch wenn ich mit meinem eigenen Grad der Nachhaltigkeit nicht zufrieden sein kann, habe ich es zumindest geschafft, zahlreiche kleine Schritte in meinen Alltag hin zu mehr Nachhaltigkeit zu intergieren.

Click to rate this post!
[Total: 5 Average: 5]

Björn Bohnhoff

Dieser Artikel wurde von Björn Bohnhoff geschrieben.

Lernen Sie weitere Autoren kennen oder lesen hier mehr über das Blog
  1. In abgepeckter Form wird die Weiterbildung von Bjorn Bohnhoff, Vorstand der Zurich Gruppe Deutschland und jetzt zertifizierter ESG-Berater, auch in die Weiterbildungsprogramme der Branche für Vermittler nach der IDD-Richtlinie aufgenommen werden, um als Vermittler der neuen EU-Transparenzverordnung ab 02.08.2022 gerecht werden zu können. Insofern ist die Ankündigung von Björn Bonhoff wichtig und interessant, dass er das Thema auch an interne Schulungen der Zurich weitergibt.

Was ist Ihre Meinung?

Wenn Sie die E-Mail-Adresse eingeben, die Sie bei Twitter oder bei Gravatar verwenden, erscheint Ihr Bild neben dem Kommentar.

Erforderliche Felder sind mit * markiert.