Weltfrauentag: Karriere bei einer Versicherung kam für mich nie in Frage

Weltfrauentag: Karriere bei einer Versicherung kam für mich nie in Frage

Als mich das Blog-Team der Zurich Gruppe Deutschland fragte, ob ich im Rahmen des Weltfrauentags etwas über meinen beruflichen Werdegang bloggen möchte, war ich zuerst etwas skeptisch. „Das wäre doch ein tolles Beispiel dafür, wie Frauen bei Zurich Versicherung Karriere machen“, so das Argument der Kollegen. Tatsächlich hatte ich mir bis dato nie wirklich Gedanken darüber gemacht, denn aus meiner ganz persönlichen Sicht hat für mich immer die Leistung und der Wille gezählt und ich meine, nie benachteiligt oder bevorzugt worden zu sein. Ich glaube erfolgreich zu sein, ist keine Sache des Geschlechts. Ich für meinen Teil wusste immer, was ich wollte und insbesondere, was ich nicht wollte. Trotzdem kommt es immer anders, als man denkt. So auch bei mir, denn wenn mir eines nach dem Studium klar war: Eine Karriere bei einer Versicherung kam für mich nie in Frage. Aber der Reihe nach…

Geboren und aufgewachsen im schönen Freiburg konnte ich mir nach dem Abi schwerlich vorstellen, irgendwo anders zu leben und zu studieren. Gesagt, getan – acht Semester später hatte ich mein Diplom mit Auszeichnung in Mathematik in der Hand und konnte nur zweieinhalb Jahre später meinen Doktortitel mit summa cum laude erwerben. Und obwohl ich mich nur schwerlich von spannenden Themen wie “Tail Behaviour and Martingale Convergence of Random Recursive Structures and Algorithms” (Titel meiner Dissertation) trennen konnte und mir eine aussichtsreiche wissenschaftliche Karriere bevorstand, hatte mich die Vorstellung, die nächsten Jahre alleine grübelnd und forschend in meinem Büro zu sitzen (in meinem Fachgebiet gab es nur eine Handvoll Experten in der ganzen Welt verteilt), dann doch nicht begeistert.

 

Irgendwo zwischen Langeweile und Erstaunen

Prädestiniert für einen Job im Versicherungswesen oder Bankensektor, wollte ich genau das auch nicht. Zu real waren noch die Eindrücke, die ich bei einem drei-monatigen Praktikum bei einem Mitbewerber hatte – irgendwo zwischen Langeweile und Erstaunen darüber, wie sich erwachsene Menschen im gleichen Unternehmen bekriegen können.

Daher bewarb ich mich bei einem Unternehmen, das die Schaltung von Ampelanlagen optimiert. Ich fand das im Vergleich zum meinem Studium unheimlich praktisch. Endlich wäre ich auch mal dazu in der Lage, meiner Familie den Wert meiner Arbeit zu erläutern. Wie es der Zufall so wollte, wurde die Anzeige des Unternehmens von einer Personalvermittlungsagentur veranlasst, die mich für genau das für geeignet ansah, was ich nicht wollte: Einen Job in der Versicherungsbranche.

Hingegangen bin ich trotzdem (denn die Übung im Bewerbungsgespräch konnte ich brauchen) und der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte. Von den vielen Bewerbungsgesprächen die ich noch haben sollte, hatte mich einzig Zurich Versicherung beeindrucken können. Warum? Sie waren die einzigen, die verstanden hatten, dass eine Bewerbung in beide Richtungen gehen sollte und der ich das “Wir” Gefühl abgenommen hatte.

Mein beruflicher Werdegang lässt sich bisher in vier Abschnitte unterteilen.

Fachlichkeit

Im Oktober 2008 schließlich startete ich bei der Zurich Gruppe Deutschland als Mitarbeiterin in der Versicherungstechnik (Produktmanagement) durch und schloss zwei Jahre später meine Aktuarsausbildung ab. Einen großen Teil meiner Zeit investierte ich in die Entwicklung eines innovativen fondsgebundenen Produktes für die Rentenphase (Post Retirement Solution). Als das Konzept weitestgehend ausgereift war, und sich mir die Frage stellte, ob ich tiefer in die Fachlichkeit abtauchen oder lieber Verantwortung im Umsetzungsprojekt für “mein” Produkt übernehmen wollte, viel mir die Entscheidung nicht schwer.

Projekte

14 Monate später jedoch war alles vorbei. Das Produkt bzw. Projekt wurde – aus globalen strategischen Gründen – von heute auf gleich eingestellt.

Wissen Sie, was passiert, wenn man so viel Herzblut in ein Projekt steckt und es dann vorbei ist? Man fällt in ein tiefes schwarzes Motivationsloch. Zumindest ging es mir so. Um da wieder raus zukommen, half mir nur, mich auf das nächste Ziel zu stürzen. So kam das nächste Projekt (Projektleitung Unisex 2012) und danach das Nächste (Projektleitung Serious Illness 2013). Man sagt, dass cross-border Projekte die Projekte sind, die am anspruchsvollsten zu leiten sind. Ganz ehrlich – das stimmt!

Assistenz

Ich wollte dann irgendwann mehr und mich als Führungskraft behaupten – – nur gab es keine adäquaten Stellen damals für mich im Produktmanagement. Abwarten, bis etwas Passendes kommt, war keine Option für mich. Letzten Endes reizte mich das Angebot unseres damaligen Chief Operating Officer Life, sein Office zu leiten genug, um andere Optionen zu verwerfen. Was man definitiv in der Assistenz lernt, ist, dass das Vorstandsleben kein Zuckerschlecken ist. Ich bin noch heute dankbar für die Einblicke in die Steuerung eines Unternehmens, die ich durch diese Position erhalten habe. Die Zeit war sehr schnell um – nach nur einem Jahr war die Not so groß, eine Nachfolge für die Abteilungsleitung „Claims Leben“ zu finden, dass ich diese Herausforderung unbedingt annehmen musste.

Führung

Nach über zwei Jahren in der Abteilung „Claims Leben“ weiß ich nun zwei Dinge definitiv

Erstens: Kundenservice ist harte Arbeit

Zweitens: Es lohnt sich!

 

Mein Fazit

Wenn ich in meiner Karriere etwas gelernt habe, dann das Folgende:

-Bleib Dir selbst treu und such Dir einen Job, der zu Dir passt – Sonst bleibt man mittelmäßig und wird auf Dauer unglücklich.

-Hab keine Angst vor Veränderungen und probiere auch mal was Neues aus.

-Gib Dein Bestes und behalte das Ziel im Blick.

-Such Dir Unterstützer und Menschen, die Dich und Deine Skills ergänzen.

-Rückschläge härten ab und aus Misserfolgen lernt man.

 

Hab’ ich es bereut, bei einer Versicherung gelandet zu sein? Nein, ich bin schließlich noch hier. 🙂

 

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Beitrag von:
Eva-Maria Schopp

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